Ob am Pharmazeutischen Institut in Leipzig auch in Zukunft noch Apotheker ausgebildet werden, ist zwischen den Ministerinnen Christine Clauß (CDU) und Sabine von Schorlemer (parteilos) umstritten. Zwischen den Damen herrscht zurzeit eisiges Schweigen.

Alternative gefordert

Auch bei der Kabinettssitzung am Dienstag in Dresden kam die Causa Pharmazie Leipzig nicht zur Sprache. Gesundheitsministerin Clauß sieht das Haus von Wissenschaftsministerin Schorlemer am Zug. "Das Wissenschaftsministerium muss die Universität Leipzig anschreiben, damit die einen alternativen Sparvorschlag macht", erklärt Clauß' Sprecher Ralph Schreiber.

Ähnlich äußert sich Clauß in einem Schreiben an die Kollegin vom 2. Januar, das der RUNDSCHAU vorliegt. Darin zeigt sich die Sozialministerin erstaunt, "dass die Leitung der Universität bis heute an den Schließungsplänen festhält".

Die Leipziger Uni hatte die Schließung des Pharmazeutischen Instituts bereits im Dezember des Jahres 2011 beschlossen, um, wie von der schwarz-gelben Staatsregierung gefordert, durch Stelleneinsparungen abzuspecken. Von den 72 Stellen, die die Uni streichen muss, sollten damit gleich 21 wegfallen. Aber die Studenten kämpften für ihr Institut - eines der kleinsten in Deutschland.

In einer Expertenanhörung am Dresdner Landtag im April verteidigte Rektorin Beate Schücking die Schließungspläne. Man gehe diesen Schritt "schweren Herzens". Die Pharmazie in Leipzig stehe ohnehin im Schatten des wesentlich größeren Pharmazie-Instituts der Universität Halle.

Dann schaltete sich Gesundheitsministerin Clauß mit ihrem Veto ein und setzte die Schließung aus - unter Verweis auf die Notwendigkeit, dauerhaft Apothekernachwuchs auszubilden.

Das bekräftigt nun auch die Landesapothekerkammer. Sie fürchtet Versorgungsengpässe durch fehlende Apotheken: "Eine flächendeckende Arzneimittelversorgung, besonders in den ländlichen Gebieten sowie Nacht- und Notdienste kann ohne genügend pharmazeutischen Nachwuchs nicht mehr garantiert werden."

Apotheker gesucht

Aktuell würden allein in Sachsen fast 40 Apothekerinnen und Apotheker gesucht. Statt das Leipziger Institut zu schließen, müssten dort mindestens zehn zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden, fordert die Apothekerkammer. Daran allerdings ist angesichts des Landeshaushalts kaum zu denken. Selbst der Wissenschaftsexperte der Linken-Fraktion, Gerhard Besier, hält das kleine Institut unter diesen Umständen für nicht haltbar. "Die Diskussion um den Ort bringt uns wenig", sagt Besier. "Natürlich haben wir bei den Apothekern ein Strukturproblem auf dem Lande. Aber das werden wir auch mit dem Pharmazeutischen Institut in Leipzig nicht lösen können."

Indes erhielt der Antrag, das Institut zu erhalten, am Montag nur eine einzige Stimme im Wissenschaftsausschuss des Dresdner Landtags. Nämlich die des SPD-Abgeordneten Holger Mann, der beklagt: "Das Staatsministerium für Wissenschaft sitzt die Sache offensichtlich aus", so Mann. Und das Haus von Ministerin Clauß habe "nur einen Sturm im Wasserglas verursacht".