Sinkt nach den Verlusten für die Regierungspartei Putins Stern?

Manche sprechen tatsächlich von einem beginnenden Ende der Ära Putin. Aber die klare Mehrheit der Russen sieht das Wahlergebnis eher als Zeichen einer Müdigkeit mit dem System – wie es etwa der Chefredakteur des kremlkritischen Radiosenders Echo Moskwy, Alexej Wenediktow, ausdrückt. Die Zustimmung für Putin gilt weiter als hoch. Politologen betonen auch, dass echte Führungsalternativen nicht in Sicht seien. Auch die Opposition hat sich immer tief zerstritten präsentiert. Eine Einigung auf einen gemeinsamen starken Kanditaten etwa zur Präsidentenwahl scheiterte immer wieder.

Es war viel von Fälschungen die Rede – wie groß ist in Wirklichkeit noch die Zustimmung für Partei?

Bei der Wahl hatte die Kremlpartei noch rund 30,4 Millionen Stimmen und damit etwa 14,3 Millionen weniger als 2007. Allerdings war damals auch die wirtschaftliche Lage deutlich besser. Über die Qualität von Meinungsumfragen streiten die Experten. Nach Schätzungen liegt die reale Zustimmung für die Putin-Partei bei etwas über 30 Prozent. Kommentatoren sagten angesichts der vielen Wahlverstöße, dass sich Geeintes Russland deutlich über zehn Prozentpunkte – zusätzlich zum realen Rückhalt in der Bevölkerung – zugeschanzt habe.

Wird sich der Westen angesichts der Wahlfälschungen abwenden?

Nein. Die Rohstoffgroßmacht Russland spielt als weltgrößter Öl- und Gasexporteur eine herausragende Rolle. Zudem ist Russland nach den USA die zweitwichtigste Atommacht. Russland wird nun nach 18 Jahren auch Mitglied in der Welthandelsorganisation WTO. Dadurch erhoffen sich westliche Investoren mehr Sicherheit in dem Riesenreich. Das Land mit den mehr als 140 Millionen Einwohnern ist besonders auch für deutsche Unternehmen ein wichtiger Zukunftsmarkt. Deshalb hat der Westen – trotz aller Kritik – ein Interesse an einer möglichst engen Zusammenarbeit.

Kann die Wahlschlappe Putin bei seiner geplanten Rückkehr in den Kreml gefährlich werden?

Davon geht im Moment niemand aus. Auch Putins Partei erwartet, dass die Menschen dem 59-Jährigen am 4. März kommenden Jahres die nötigen 50 Prozent für den Sieg im ersten Wahlgang verschaffen. Zwar haben auch die Führer der anderen in der Staatsduma vertretenen Parteien am Tag nach der Wahl ihre Ambitionen auf das wichtigste Amt in Russland angemeldet. Doch diese Präsidentenkandidaten, unter ihnen Kommunistenchef Gennadi Sjuganow, landeten in der Vergangenheit weit abgeschlagen hinter Putin.

Wer hat vom Stimmenverlust für Geeintes Russland profitiert?

Vordergründig jedenfalls nicht die demokratische Opposition. Liberale Kräfte wie die Jabloko-Partei konnten zwar leicht zulegen, aber erneut nicht die Sieben-Prozent-Hürde überspringen. „Die Geduld vieler Wähler mit der Regierungspartei ist am Ende“, meint der Politologe Nikolai Petrow vom Moskauer Carnegie Center. Vom wachsenden Frust profitierten zählbar aber nur die drei in der Staatsduma vertretenen Konkurrenten der Putin-Partei: Sie legten zu – am meisten die Kommunisten mit knapp acht Prozentpunkten.

Ändert sich das Verhältnis des Tandems Putin/Medwedew?

Davon war unmittelbar nach der Wahl nichts zu sehen. Als die ersten Prognosen von Stimmenverlusten bekannt wurden, traten beide demonstrativ gemeinsam vor Parteimitglieder und Journalisten. Gleichberechtigt sind sie nicht: Medwedew gilt als politischer Ziehsohn von Russlands mächtigem Mann Putin. Aber Moskauer Medien schließen nicht aus, dass Putin nach seiner angestrebten Rückkehr in den Kreml einen Regierungschef Medwedew für alles Schlechte im Land verantwortlich machen und irgendwann entlassen könnte.