"Diese Initiative ist überfällig", sagt Michael Stein, Geschäftsführer der Kraftwerksservice Cottbus Anlagenbau GmbH (KSC) mit Sitz in Peitz (Spree-Neiße). Stein, dessen Firma 156 Mitarbeiter in Brandenburg und Sachsen beschäftigt, ist einer von 31 Gründungsmitgliedern der "Wirtschaftsinitiative Lausitz e.V." und stolz darauf. In dieser Wirtschaftsinitiative, so hofft er, würden die Probleme aufgegriffen, die Unternehmer wirklich bewegten und auf die Region wirklich passende Projekte gestartet. Dass sich mit dem Energiekonzern Vattenfall Europe und dem Chemieunternehmen BASF Schwarzheide zwei führende Industrieunternehmen an die Spitze der Aktion gestellt haben, ist für Stein wichtig: "Die kennen unsere Probleme hier." Eineinhalb Jahre lang liefen die Bemühungen der beiden Großunternehmen, eine solche Wirtschaftsinitiative von der regionalen Wirtschaft selbst ins Leben zu rufen. Am Montag wurde die Vereinsgründung notariell beglaubigt. Bis Ende April soll ein hauptamtlicher Geschäftsführer benannt und ein Büro in Cottbus eingerichtet sein. "In der Lausitz steckt mehr als wir bisher herausholen", begründet Hermann Borghorst, Vorstandsmitglied bei Vattenfall, das Vorhaben. Mit Aktivitäten verzetteltDie Wirtschaftsinitiative Lausitz soll jedoch nicht einfach noch ein weiterer Verein sein, sondern so etwas wie eine Klammer: Eine Struktur in der sich die vielfältigen Initiativen und Netzwerke wiederfinden, in der sie gebündelt werden. "Wir haben festgestellt, das wir uns mit vielen Aktivitäten in der Region bisher auch verzettelt haben", begründet Karl Heinz Tebel, Vorsitzender der Geschäftsführung der BASF Schwarzheide GmbH die Gründung des neuen Vereins. Der Begriff "Lausitz" wird dort nicht geografisch eng umrissen. Neben Großunternehmen sind auch kleine und mittelständische Firmen verschiedener Branchen unter den Gründungsmitgliedern. Das reicht von einem Hydraulik-Anlagenbauer in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) über einen Tiefbaubetrieb in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) bis zu einem Förderbandhersteller in Kringelsdorf, einem Ortsteil von Boxberg (Landkreis Görlitz). Eingeladen, sich an der Initiative zu beteiligen, so Borghorst, seien alle Firmen, aber auch Kommunen, Kreise, Hochschulen der Region.Mit im Boot sind die für die Region zuständigen Kammern. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer Cottbus sind bereits Mitglieder. Ihre sächsischen Pendants werden in Kürze beitreten. Vor der Gründung der Wirtschaftsinitiative gab es auch Gespräche mit den Wirtschaftsministerien von Sachsen und Brandenburg.Als wichtigsten Themenschwerpunkt hat sich der Verein vor allem die bessere Vertretung von Lausitzer Wirtschaftsinteressen gegenüber der Landes- und Bundespolitik gestellt. Daneben sollen der Ausbau von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und die Nachwuchsförderung eine große Rolle spielen. Demografischer Wandel und Abwanderung treiben offenbar vielen Unternehmen in der Region Sorgenfalten auf die Stirn.Schulpartnerschaften Zu konkreten Vorhaben können Tebel und Borghorst noch nicht viel sagen. Das sei noch zu früh. Auf jeden Fall, so eine erste Idee, sollen Firmenprofile erstellt werden, um die Kooperation von Unternehmen auszubauen. Außerdem sollen viele Partnerschaften zwischen Schulen und Firmen entstehen. Messen lassen will sich die Wirtschaftsinitiative Lausitz an konkreten Ergebnissen. Nur dafür seien Firmen bereit, mitzuarbeiten und Beiträge zu zahlen. "Wir werden qualitative Maßstäbe in unserer Arbeit setzen, sodass keiner an uns vorbeikommt, der sich hier engagieren will", kündigt BASF-Chef Karl Heinz Tebel an.