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Da warten noch Debatten

Berlin. Wenn Erleichterung einen Parteinamen hat, dann heißt er an diesem Abend "Bündnis 90/Die Grünen". Und das Gesicht dazu gehört Katrin Göring-Eckardt. Werner Kolhoff und Stefan Vetter

Sie strahlt über beide Backen, als sie in einer szenigen Event-Location in Berlin-Neukölln auf die Bühne tritt. "Wer hätte das gedacht", sagt sie "Viele hatten nicht mehr daran geglaubt." Statt der befürchteten Verluste gab es sogar einen leichten Zugewinn. Und die Chance, in die nächste Regierung einzutreten.

Der Jubel in dem grün ausgeleuchteten Saal ist groß. Offiziell sagen alle bei den Grünen, dass jetzt Angela Merkel in Sachen Jamaika-Koalition am Zuge ist, zu ersten Gesprächen einzuladen. Grundsätzlich dagegen ist niemand, jedenfalls nicht offen. Es deuten sich aber auch schon Konflikte an. Spitzenkandidat Cem Özdemir etwa baut erste Hürden auf. "Ohne Klimaschutz werde ich keinen Koalitionsvertrag unterschreiben", sagt er. Und auch, dass man einen antieuropäischen Populismus nicht mitmachen werde.

Im Berliner Szeneclub Festsaal Kreuzberg ist die Bühne rot erleuchtet. Rot ist auch die Farbe der Luftballons, die verteilt wurden. Dass hier die Linken feiern, ist optisch unschwer zu erkennen, akustisch eher nicht. Denn die Stimmung ist zurückhaltend. Statt Oppositionsführerin nur noch kleinste Oppositionspartei und eine so starke AfD im Bundestag - das will verdaut sein. Protestwähler, das waren bisher sichere Kundschaft der Linkssozialisten.

Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht sagt zwar, sie sei zufrieden. "Das ist unser zweitbestes Ergebnis". Doch vor allem sie wird immer wieder gefragt, ob die Linke in der Flüchtlingsfrage den Rechtspopulisten nicht zu sehr das Feld überlassen habe. Wagenknecht stimmt ungewohnt offen zu: "Man hat dort auch vielleicht bestimmte Probleme ausgeklammert, in der Sorge, dass man damit Ressentiments schürt", sagt sie. "Aber am Ende hat man dann der AfD überlassen, bestimmte Dinge anzusprechen, von denen die Menschen einfach erleben, dass sie so sind."