Ach, diese Zahlen. Jahrzehntelang hatte die CSU damit geprotzt, die größte Aschermittwochs-Kundgebung in Deutschland auf die Beine zu stellen. Diesmal aber hat die SPD den Zahlen-Wettstreit möglicherweise gewonnen - sie hat im niederbayerischen Vilshofen ein großes Bierzelt aufstellen lassen. Die SPD spricht von 5000 Menschen, auch wenn es wohl einige weniger sind.

Doch die CSU in der Passauer Dreiländerhalle lässt sich davon nicht beirren: Sie fühlt sich so stark wie seit Jahren nicht. Die Spitzenstellung Bayerns in Europa habe auch mit der CSU zu tun, ruft Parteichef Horst Seehofer in den Saal. In sieben Monaten wird in Bayern und im Bund gewählt - deshalb fliegen an diesem Aschermittwoch so richtig die Fetzen. Horst Seehofer und Edmund Stoiber bei der CSU in Passau, Peer Steinbrück und Christian Ude einige Kilometer weiter bei der SPD in Vilshofen: Das ist die Frontstellung. Die CSU fühlt sich inzwischen so stark, dass sie sogar wieder jene Gleichung aufmacht, die seit dem CSU-Desaster bei der Landtagswahl 2008 verpönt war: CSU gleich Bayern. Auf riesigen Plakaten in der Halle und in einem kleinen Film werden die Schönheiten des Freistaats gezeigt, zugleich wird CSU-Übervater Franz Josef Strauß reanimiert: Von ihm, Stoiber und Seehofer werden Rede-Schnipsel gezeigt.

Und dann, ganz am Ende des Films, heißt es: "Bayern. CSU." Parteichef Seehofer wird nachher rufen: "Bayern und SPD passen nicht zusammen." Auch Edmund Stoiber knüpft an die guten alten Zeiten an. "Ich grüße die erfolgreichste Partei Europas", ruft der CSU-Ehrenvorsitzende. Und dann schimpft er auf die "Großpolitiker von der Opposition" ("Die können es immer noch nicht") und auf "Aschermittwochsimporte" wie Steinbrück. Auch Seehofer beginnt bissig. "Sein Lebensmotto ist offensichtlich: Jedem das Seine - und mir das meiste", lästert er über Steinbrück und spottet: "Ich halte heute eine garantiert honorarfreie Rede." Und dann hat er noch einen Ratschlag: "Besser den Mund zuhalten als die Hand aufhalten."

In Vilshofen wiederum greifen Ude und Steinbrück die CSU frontal an: "Bayern ist nicht der Erbhof und das Besitztum einer arrogant gewordenen politischen Partei", sagt der bayerische Spitzenkandidat. Steinbrück lästert, Seehofer sei die größte lose Kanone auf dem politischen Deck Deutschlands. Und SPD-Landeschef Florian Pronold kritisiert, Seehofer sei der "schnellstdrehende Wetterhahn in Bayern". Ein Volltreffer aus SPD-Sicht ist die Kampagne "Drehhofer", auf der aktuelle Positionen Seehofers gegen frühere Aussagen des CSU-Chefs gestellt werden. Drehbuchgerecht erschallen "Ude, Ude"-Sprechchöre - auch wenn die Realität draußen etwas trister ist: Die jüngste Bayern-Umfrage sieht die SPD bei 19 Prozent.