Eigentlich ist der politische Aschermittwoch ein betagter Hahnenkampf mit deutlichen Abnutzungserscheinungen - doch im Superwahljahr 2013 steht eine niederbayerische Redeschlacht der Sensationen bevor. Möglicherweise tritt das Unmögliche ein: Der SPD könnte es knapp acht Monate vor Bundestags- und bayerischer Landtagswahl gelingen, erstmals eine größere Kundgebung als die CSU auf die Beine zu stellen. Sollte der angeblich "größte Stammtisch der Welt" der CSU in Passau nur noch der zweitgrößte sein, wäre der Alleinvertretungsanspruch der CSU für die bayerische Seele ad absurdum geführt. Bei den Aschermittwochs-Kundgebungen ist die Symbolik seit jeher bedeutender, als es die Inhalte sind.

Wie immer hoffen viele Zuhörer auf eine möglichst kreative Beschimpfung des jeweiligen politischen Gegners. Die anderen Parteien kopieren das CSU-Format zwar eifrig. Sie haben es aber bislang nie geschafft, vergleichbar große Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.

Doch die SPD ist in diesem Jahr wild entschlossen, die CSU zu übertrumpfen. In der Passauer Dreiländerhalle, in der die CSU ihre Kundgebungen abhält, liegt die zugelassene Sitzplatzkapazität bei 4000 Besuchern. Deshalb errichtet die SPD nun ein gigantisches Bierzelt in Vilshofen, das für 4500 Besucher mit Bierbänken bestuhlt wird. In den Hauptrollen: Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und der bayerische Spitzenkandidat Christian Ude. "Das wird eine Riesengeschichte", sagt SPD-Wahlkampfmanager Rainer Glaab.

Seehofers Herausforderer Ude meint vergleichsweise bescheiden: "Ich glaube, das wird ein kraftvoller Auftakt des Wahljahrs." Sogar die Fernsehzuschauer von Nordafrika bis zum Persischen Golf werden auf dem Laufenden sein.

Zur großen Überraschung der SPD hat sich der Fernsehsender Al-Dschasira in Vilshofen angemeldet - einer beschaulichen Kleinstadt an der Donau, von der die meisten Bewohner der arabischen Welt vermutlich noch nie etwas gehört haben. Die CSU will sich naturgemäß keinesfalls geschlagen geben. "Die größte Kundgebung wird bei der CSU in Passau stattfinden", sagt Generalsekretär Alexander Dobrindt. "Wir machen nicht nur eine Kundgebung in einem Zelt, wir veranstalten ein echtes Bayern-Festival." In Passau treten wieder Parteichef Horst Seehofer und sein Vorvorgänger Edmund Stoiber auf. Dobrindt kündigt Überraschungen an: "Unser Aschermittwoch wird in eine andere Liga vorstoßen."

Auch FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle kann sich bei der FDP-Kundgebung in Dingolfing auf reges Interesse einstellen - das nicht nur seiner Rede gelten wird. Im Januar löste eine "Stern"-Reporterin die bundesweite Sexismus-Debatte aus - sie machte eine anzügliche Bemerkung Brüderles über ihre dirndltaugliche Figur öffentlich. Niederbayern zählt zu den Kernlanden des Dirndls.