Crystal ist nach Ansicht der Suchtberatungen inzwischen die "Problemsubstanz Nummer eins" bei den illegalen Drogen in Sachsen. Im vergangenen Jahr hätten sich im Freistaat knapp ein Drittel mehr Menschen wegen Problemen mit dem Rauschgift beraten lassen als 2010, teilte die Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren (SLS) am Montag in Dresden anlässlich der Vorstellung ihres Jahresberichts 2011 mit. Nach Angaben der Diakonie Sachsen kommen 44 Prozent aller Drogenkonsumenten wegen Crystal in ihre Beratungsstellen.

Gefahr an der Grenze

Die gefährliche Droge wird vor allem an der deutsch-tschechischen Grenze verkauft. Sie hat eine extrem aufputschende Wirkung. Insgesamt begaben sich nach SLS-Angaben so viele Menschen wie nie zuvor wegen Problemen mit illegalen Drogen in die Einrichtungen.

Die Zahl der Klienten stieg in den ambulanten Beratungsstellen um fünf Prozent auf gut 5900. Dies seien vor allem junge Menschen gewesen. Nach Angaben der Diakonie verdoppelte sich die Zahl der 20- bis 24-Jährigen, die diakonische Beratungsstellen aufsuchten, von 2000 bis 2010, die der 25- bis 29-Jährigen verdreifachte sich gar. Diakonie-Chef Christian Schönfeld nannte dies "bestürzende Entwicklungen" und verwies auf einen Zusammenhang mit der steigenden Zahl suchtkranker junger Menschen ohne Schulabschluss und Ausbildung.

Insgesamt wurden im Jahr 2011 nach Angaben der SLS wegen unterschiedlicher Suchtprobleme gut 27 700 Menschen beraten. Das waren drei Prozent weniger als im Vorjahr. Die SLS begründete dies mit dem Wegfall von acht Fachkräftestellen binnen Jahresfrist. Im Jahr 2011 gab es somit noch 176 Fachkräfte in den 46 landesweiten Suchtberatungsstellen. Die Landesstelle forderte eine Aufstockung, die zur Stärkung der Suchtkrankenhilfe und -prävention in Sachsen beitragen solle. Angesichts der hohen Zahlen von Suchtkranken seien Präventionsangebote "wichtiger denn je", betonte Schönfeld.

Problem Alkohol

Der häufigste Behandlungsgrund bei Suchtproblemen ist nach wie vor der Alkoholkonsum, sowohl in der ambulanten wie in der stationären Suchthilfe, wie es weiter hieß. Nach Herzproblemen seien in den Krankenhäusern des Landes alkoholbedingte Störungen der zweithäufigste Behandlungsgrund. 2011 seien knapp 18 000 Fälle registriert worden, die Behandlungskosten von mehr als 80 Millionen Euro verursacht hätten.

Gut 3000 Suchtkranke wurden den Angaben zufolge erfolgreich in den Entzug geschickt. Probleme gebe es hingegen bei den Reintegrationsangeboten, hieß es in dem SLS-Bericht weiter. Diese seien in Sachsen nicht ausreichend. "Da mangelnde berufliche Perspektiven die langfristigen Erfolge von Suchttherapien gefährden", sei die Förderung der beruflichen Reintegration ein sozialpolitisch wichtiges Anliegen, betonte die Landesstelle.

Den aktuellen SLS-Suchtbericht finden Sie unter www.slsev.de/Sucht2011