Es ist der inzwischen vierte Prozess, den Cristalica-Geschäftsführer Lutz Stache gegen ehemalige Mitarbeiter oder Auftragnehmer führt. Dabei geht es um mehr als 200 000 Euro, die der Chef des Unternehmens am Traditionsstandort Döbern mit der beeindruckenden Glaspyramide für geleistete Arbeit oder Dienstleistungen verwehrt. Lutz Stache sieht sich dabei zu Unrecht angegriffen und setzt sich zur Wehr.

Am Donnerstag war der Cristalica-Chef, gegen den zurzeit wegen Subventionsbetrugs ermittelt wird (siehe Infobox), selbst im Landgericht Cottbus erschienen. Dort saß er seiner ehemaligen "rechten Hand" Daniel Kothe gegenüber. Der hatte als jahrelanger Berater die Geschäfte im Stache-Auftrag geführt - vom Aufbau der Glaspyramide bis zur Steuerung der Glasproduktion. Bis sich Kothe als Geschäftsführer seiner Palati GmbH mit dem Cristalica-Chef 2014 überworfen hatte.

"Ich habe mehrfach deutlich gemacht, dass sich die Cristalica GmbH als Subventionsempfänger an geltende Rechtsvorschriften halten muss", erklärt Kothe. Über diese und andere unüberbrückbaren Meiniungsverschiedenheiten in der Interpretation von geltendem Recht sei es zur fristlosen Kündigung seitens Cristalica gegenüber Palati gekommen.

Aus Sicht des Cristalica-Chefs habe Kothe selbst gekündigt und "mein Unternehmen bestohlen", weshalb Stache bis zu dem Zeitpunkt vertraglich festgeschriebene Honorarforderungen verwehrt. Satte 100 000 Euro. Das Gericht hat gestern die Zeugenvernehmung abgeschlossen. Ein Urteil soll am 17. Januar 2017 fallen.

Ein Urteil hat ein Planungsbüro aus Tschernitz bereits im März erwirkt. Streitpunkt waren Planungsleistungen für ein neues Projekt unmittelbar an der Glaspyramide. Hier sollte eine Erlebnisgastronomie entstehen.

Vor Gericht hatte sich die beklagte Seite auf den Standpunkt zurückgezogen, dass es keinen Vertrag gegeben habe. "Ich kann kein Geld dafür bezahlen, was nicht geleistet wurde", sagt Lutz Stache damals. Doch die erstrittenen 50 000 Euro für die Planer liegen auf Eis, weil Cristalica Revision gegen das Urteil eingelegt hat.

Mehr als einen Vergleich hat dagegen der Döberner Ex-Hüttenmeister nicht erreicht. Dem 58-Jährigen war zu Heiligabend 2014 gekündigt worden. Mit Cristalica traf er sich vor dem Arbeitsgericht Cottbus wieder. Dort musste er allerdings erfahren, dass seine Arbeit nicht mehr gebraucht werde, weil in Döbern "eine Glasproduktion nicht mehr erfolgen" werde.

Im Rechtsstreit um gut 100 000 Euro befindet sich Cristalica zudem mit einer Elektrofirma aus Calau, die das Lichtkonzept in der Glaspyramide umgesetzt hatte.

Noch schwerer dürfte allerdings wiegen, dass die letzte Produktionslinie zur Verarbeitung von geschmolzenem Glas längst vor Gericht verloren wurde. In seinem Urteil ist das Landgericht Berlin dem holländischen Besitzer der Maschine und ehemaligen Kooperationspartner von Cristalica zur Herausgabe gefolgt. Lutz Stache hat dagegen Revision eingelegt.

Zum Thema:
Gegen den Geschäftsführer der Cristalica GmbH in Döbern Lutz Stache laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug. Geprüft wird dabei der rechtmäßige Umgang mit 4,5 Millionen Euro Fördermitteln. Sie waren von der Investitionsbank Land Brandenburg gewährt worden, um die vertraglich fixierte Fortsetzung der Glasproduktion an dem Traditionsstandort zu gewährleisten. Daran hatte die Behörde Anfang 2016 Zweifel und hat ein Widerrufsverfahren eingeleitet. Wie die Staatsanwaltschaft Cottbus der RUNDSCHAU bestätigte, werden zurzeit Unterlagen der Cristalica GmbH ausgewertet, die bei einer Razzia im Juni in Döbern und bei Lutz Stache privat sichergestellt worden waren.