Mit "Traurigkeit und tiefem Bedauern" teilte der Republikaner aus Idaho mit, dass er zum Monatsende aus dem Senat ausscheide. Prominente Parteikollegen und die Öffentlichkeit hatten Craig zum Rücktritt gedrängt. US-Präsident George W. Bush begrüßte die Entscheidung des für seine harte Position gegen Homosexuelle bekannten Senators. Craig war im Juni auf dem Flughafen Mineapolis-St. Paul von einem Undercover-Agenten festgenommen worden, da er diesem unsittliche Angebote gemacht haben soll.

Geständnis zurückgezogen
Craig soll am 11. Juni auf der Flughafentoilette mit in der Szene deutlichen Zeichen den Mann nebenan zum Sex aufgefordert haben. Der Toilettennachbar war ein verdeckt arbeitender Ermittler der Polizei, der den Senator daraufhin festnahm. Der 62-Jährige legte zunächst ein Schuldbekenntnis ab und zahlte 575 Dollar Strafe, um einer zehntägigen Haftstrafe zu entgehen. Später aber bezeichnete er das Schuldeingeständnis als Fehler und bestritt jedes Vergehen. Vor allem dementierte der erbitterte Gegner der Homo-Ehe vehement, schwul zu sein. Dass er zunächst ein Geständnis abgelegt hatte, begründete der verheiratete Senator damit, dass er jedes Aufsehen habe vermeiden wollen.
Am Samstag entschuldigte sich Craig öffentlich bei seiner Frau, seiner Familie und den Bürgern seines Heimatbundesstaates Idaho für das Geschehene. Bei der Pressekonferenz in Boise mit seiner Frau, seinen Kinder, Enkeln und dem Gouverneur von Idaho gestand er ein sexuelles Angebot auf der Flughafentoilette nicht ein, bestritt es aber auch nicht.
Nach Bekanntwerden der Affäre hatten die Republikaner Craig sofort von mehreren wichtigen Posten in Senatsausschüssen abberufen. Der 62-Jährige wollte aber seinen Senatsposten, den er seit 17 Jahren innehatte, zunächst auf keinen Fall aufgeben. Bush bezeichnete den nun erfolgten Rücktritt als "richtige Entscheidung für ihn selbst, seine Familie, seine Wähler und den US-Senat".
Craig ist verheiratet und hat die drei Kinder aus der ersten Ehe seiner Frau adoptiert. Er ist Mitglied im Vorstand der ultrakonservativen National Rifle Association, die für das Recht auf das Tragen einer Waffe kämpft.
Während des Skandals um Monica Lewinsky, der den früheren US-Präsidenten Bill Clinton fast das Amt gekostet hätte, bezeichnete Craig den Staatschef als "ungezogenen Jungen". Immer wieder bezog Craig gegen Homosexualität Position. So setzte er sich für Familienwerte und ein Gesetz ein, das homosexuelle Soldaten quasi aus der US-Armee verbannt.
Nachdem große Teile von New Orleans 2005 durch den Hurrikan Katrina überflutet wurden, plädierte er dafür, diese Stadtteile nicht wieder aufzubauen, da die Einwohner von Louisiana ähnliche Betrüger seien wie die Iraker. Seit Bekanntwerden des fragwürdigen Zwischenfalls auf der Flughafentoilette berichteten Lokalzeitungen unter Berufung auf Augenzeugen und Gerüchte, Craig habe mehrmals homosexuelle Treffen gehabt, insbesondere in den Toiletten des Bahnhofs von Washington nahe dem Senat.

Skandale bei Republikanern
Die für ihre konservativen Auffassungen zum Thema Sitten und Moral bekannten Republikaner hatten in jüngster Zeit mit einer ganze Reihe von Skandalen zu kämpfen: Erst vor wenigen Wochen musste sich Craigs Senatskollege David Vitter entschuldigen, weil er als Kunde eines Begleitservices in Washington aufgeflogen war. Vergangenes Jahr gab der republikanische Abgeordnete Mark Foley nach Schlagzeilen über seine zweideutigen Online-Botschaften an männliche Praktikanten im Kongress sein Mandat auf. (AFP/kr)