Die Lausitz jubelte: In Cottbus sollen durch die neue Behörde bis zum März 2005 rund 900 neue Arbeitsplätze entstehen. Auch die Bundesknappschaft, die mit dem Aufbau und dem Betrieb der Minijob-Zentrale beauftragt worden ist, freute sich. Ihr wäre sonst wohl nach und nach die Arbeit ausgegangen. Die Bergbau-Krise schmelzt bei dem Renten- und Krankenversicherungsträger nämlich die Kunden weg.

Die Minijob-Zentrale hat der Knappschaft jetzt auf einen Schlag rund sechs Millionen neue Kunden beschert: 1,8 Millionen Arbeitgeber und mindestens 4,1 Millionen Mini-Jobber. Die wollen ab dem 1. April aber auch bedient sein.

Am Geld scheitert es nicht. Anfang Februar hat das Bundeskabinett der Knappschaft im Zusammenhang mit der Minijob-Einzugsstelle zusätzlich 88,6 Millionen Euro genehmigt. Doch der Zeitplan ist eng gesteckt. In der Bochumer Hauptverwaltung der Knappschaft laufen die Koordinierungsfäden zusammen.

"Die einen kümmern sich um die Schreibtische für die Mitarbeiter, andere um die Computer, dritte um die Anschlüsse, die Elektrik oder den Büroumbau", erklärt Pressesprecherin Susanne Schröder. Und die Personalabteilung hat in Sechser-Teams quasi rund um die Uhr in Cottbus und in Bochum im 20-Minuten-Takt insgesamt etwa 6000 Vorstellungsgespräche geführt.

23 000 Bewerbungen sind bei der Knappschaft eingegangen. "Das war Wahnsinn, die in so kurzer Zeit abzuarbeiten", sagt Susanne Schröder. Die Kisten mit den Bewerbungen stapelten sich zum Teil bis zur Decke.

Alle Cottbuser Mitarbeiter, die ab dem 1. April den Arbeitgebern aus ganz Deutschland Laufereien zwischen Finanzamt und Krankenversicherungen abnehmen sollen, haben inzwischen einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Jetzt drücken jeweils bis zu 100 von ihnen nacheinander zwei Wochen lang die Schulbank, um sich in Crash-Kursen das Wissen anzueignen, das sie brauchen.

Mitarbeiter kommen aus der Branche

Die meisten künftigen Minijob-Verwalter kommen aus der Branche. "Gerade im Brandenburger Raum haben wir Mitarbeiter gefunden, die zuvor bei anderen Sozialversicherungsträgern wie den Krankenkassen oder Rentenversicherungsträgern beschäftigt waren", sagt Susanne Schröder. Und ihr Kollege Volker Meier ergänzt: "Zurzeit braucht sich niemand mehr zu bewerben, das Auswahlverfahren ist abgeschlossen. Die Unterlagen qualifizierter Bewerber, die jetzt nicht zum Zuge gekommen sind, bewahren wir für eventuell notwendige weitere Neueinstellungen auf."

In Cottbus werden ab dem 1. April zunächst einmal etwa 525 Mitarbeiter Beitragsnachweise und Meldungen der Arbeitgeber zu den geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen entgegennehmen. Sie werden Beiträge abrechnen und an Krankenkassen und Rentenversicherer weiterleiten, Insolvenzverfahren bearbeiten sowie die Pauschalsteuer einziehen und an die Finanzämter weitergeben.

Für diese Mitarbeiter hat die Knappschaft zwei Gebäude angemietet: In dem neunstöckigen Turm des Gebäudekomplexes Lausitzer Hof, zu dem die Spree-Galerie gehört, werden 320 Mitarbeiter ihre Büros haben. In einem ehemaligen Telekomgebäude in der Nordparkstraße kommen etwa 205 Mitarbeiter unter. Noch gleichen die Räume aber einer Baustelle. Es mussten Leitungen verlegt, zum Teil ehemalige Hotelzimmer umgebaut werden. Die Büros in der Nordparkstraße sollen, so Meier, planmäßig bis zum 7. April bezogen sein, der Turm bis zum 1. April.

Bis dahin werden auch die Rentenversicherungsträger die Daten der bestehenden 4,1 Millionen Rentenkonten der bislang erfassten geringfügig Beschäftigten an die neue Minijob-Zentrale übertragen haben. Der Hauptrechner steht in Bochum. Die Arbeitgeber, die schon Minijobber angemeldet haben, müssen für diese Umstellung nichts tun. Ihnen geht in den nächsten Wochen ein Kontrollauszug über die vorliegenden Meldungen zu.

"Der Informationsbedarf ist riesig", bilanziert Jürgen Lehmkuhl, Leiter eines dritten Hauses, der zentralen Auskunfts- und Beratungsstelle der neuen Behörde, die ihre Arbeit bereits vergangene Woche in Cottbus aufgenommen hat. Zwar weist noch kein Schild auf den neuen Mieter in dem alten Backsteinbau in der Parzellenstraße hin. An den Bürotüren klebt das Logo des Vormieters. Die meisten PC-Arbeitsplätze in einem Großraumbüro sind noch verwaist. Fachleute schulen gerade neue Service-Kräfte. Nebenan glühen aber bereits die Drähte.

Der Server kann die Seiten-Aufrufe im Internet http:// www.minijob-zentrale.de kaum bewältigen, die Telefone bimmeln unaufhörlich. Anrufer aus ganz Deutschland bombardieren das Service-Center schon jetzt während der Öffnungszeiten von morgens um sieben bis abends um sieben mit Anfragen vom Steuerrecht bis hin zu der Frage, wie sich die Neuregelung auf sie auswirkt. Einige wollen gar wissen, ob die neue Behörde nicht nur Minijobs verwaltet, sondern auch vergibt. Alle Telefon- und e-Mail-Anfragen, selbst die nach dem zuständigen Sachbearbeiter, hat das Cottbuser Service-Center zu bearbeiten.

Telefone klingeln ständig

An Spitzentagen gehen bereits bis zu 5000 Anrufe in der Auskunfts- und Beratungsstelle ein, die meisten vormittags und zwischen 14 und 16 Uhr. Von Tag zu Tag werden es mehr, die die Service-Nummer 08000 / 200 504 wählen. "Wir haben all unsere derzeit 32 Kräfte am Telefon", sagt Lehmkuhl, der zuvor die Knappschafts-Geschäftsstelle in Senftenberg geführt hatte. Aber wir sind noch nicht voll besetzt. Die Telefonanlage ist noch nicht komplett. Da heißt es für Anrufer, ein bisschen Geduld zu haben, es vielleicht in der ruhigeren Anfragezeit zu probieren.

Mit einmal etwa 70 Service-Kräften rechnet Lehmkuhl. "Das kommt auf die Entwicklung der Anfragen an", sagt er. Aber wenn nur jeder Dritte der voraussichtlich mehr als sechs Millionen Arbeitgeber und Minijobber einmal im Jahr anruft, kann man sich ausmalen, was hier los ist.

Service-Center-Leiter Lehmkuhl weiß um diese Herausforderung. "Das ist alles Pionierarbeit", sagt er. "Sicher wird am Anfang nicht alles optimal laufen, aber die Knappschaft kann stolz darauf sein, was sie in den letzten drei Monaten geleistet hat."