Die meisten Mitglieder der offiziellen Delegation hingegen legen den Weg von Berlin aus mit dem Flugzeug zurück. Am Mittwoch müssen sie einer internationalen Jury erklären, warum die Neißestadt Kulturhauptstadt werden soll.
"Das ist der entscheidende Tag. Darauf haben wir seit vielen Jahren hingearbeitet", sagt der Sprecher des Kulturhauptstadt-Büros, Kai Grebasch. Die Präsentation soll eine Überraschung werden. Deshalb herrscht vorab großes Schweigen. Sogar die Zahl oder die Namen der Delegationsmitglieder werden wie ein Geheimnis gehütet.
Offiziell ist bisher nur bekannt, dass Sachsens Kunstministerin Barbara Ludwig (SPD) und die Oberbürgermeister von Görlitz und Zgorzelec, Joachim Paulick (CDU) und Miroslaw Fiedorowicz, die Delegation anführen werden. Paulick hat in den vergangenen Tagen noch seine Fremdsprachenkenntnisse aufgefrischt, teilte die Stadt Görlitz mit. Denn die Präsentation erfolgt auf Englisch. Ludwig zufolge kommt es jetzt noch einmal darauf an, die Jury vom Potenzial der Bewerbung und der Umsetzung der Idee der europäischen Einigung in Görlitz/Zgorzelec zu überzeugen.
Bis zur letzten Minute wurde Grebasch zufolge am Text der Bewerbung gefeilt. Mitarbeiter des Kulturhauptstadt-Büros hatten Anfang Februar eigens den geplanten Vortragsraum bei der Brüssler EU-Kommission in Augenschein genommen, um die Präsentation darauf abzustimmen.
Der Ablauf sieht vor, dass am Mittwochvormittag zunächst die ungarische Stadt Pécs ihre Bewerbung vorstellt. Nach dem Mittag folgt die Görlitzer Rivalin, die Ruhrgebietsstadt Essen. 14.45 Uhr schlägt dann für Görlitz die Stunde der Wahrheit. Der rund 30-minütigen Präsentation schließt sich eine weitere halbe Stunde für Fragen der Jury-Mitglieder an.
Einen Cello spielenden Oberbürgermeister wie bei der Olympia-Bewerbung Leipzigs wird es in Brüssel nicht geben. "Das wird mehr ein Arbeitsgespräch", sagt Grebasch. Wenn in Brüssel alle Delegationsmitglieder versammelt sind, soll der Ablauf noch einmal durchgespielt werden.
Am Abend wird Kunstministerin Ludwig dann in der sächsischen Landesvertretung in Brüssel vor die Presse treten. In Görlitz selbst will das MDR-Fernsehen in einer Sondersendung vom Untermarkt berichten. Eine große Feier zur Begleitung des Ereignisses sei aber nicht geplant, sagt Grebasch. Wenn das Votum der Jury Ende März zu Gunsten von Görlitz ausgeht, sei immer noch Zeit dafür.