Der 52-jährige Theologe ist Gefängnispfarrer in der Justizvollzugsanstalt in Cottbus-Dissenchen. Und in einem feierlichen Gottesdienst soll er heute in das Amt des Landespfarrers für Gefängnisseelsorge in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz eingeführt werden.

"Es gibt kaum einen Ort, wo man als Pfarrer so sehr das Gefühl bekommt, gebraucht zu werden", sagt Martin Groß. Im gemütlich gestalteten Büro des Seelsorgers könnten die Inhaftierten für einen Moment vergessen, dass sie im Gefängnis sind, und die zum Überleben im Alltag nötige Härte fallen lassen, erklärt Groß. Die harten Jungs dürften Schwäche zeigen, was im Gefängnis ansonsten oft nicht gehe.

Als Landespfarrer hat Groß nun die Fachaufsicht über die 16 - in den Berliner und Brandenburger Gefängnissen eingesetzten - Theologen. Er ist Ansprechpartner für die Kirche - und das Justizministerium, zum Beispiel, wenn es darum geht, das zur Reform anstehende Strafvollzugsgesetz aus Sicht der Gefängnisseelsorge zu bewerten. "Wir haben uns dabei dafür eingesetzt, dass die Strafgefangenen weiterhin drei Mal im Jahr ein Paket von draußen empfangen können", sagt Groß. Ursprünglich sollte das durch einen Geldbetrag zum Einkauf im Gefängnisladen ersetzt werden. "Das ist zwar praktisch gedacht gewesen - aber es ist doch etwas ganz anderes, wenn ein Mensch hinter Gittern ein Paket von draußen bekommt", sagt Martin Groß. "Das zeigt doch: Ich bin nicht vergessen", ergänzt er.

Warum sich Groß für die Gefangenen engagiert? "Es gibt da einen Glaubensgrund", sagt der Theologe. "Im Evangelium sagt Jesus: Ich war gefangen und ihr habt mich besucht." Doch der Gefängnispfarrer sieht auch eine konkrete Wirkung seiner Arbeit auf das Leben außerhalb der Gefängnismauern. Wenn Menschen nach einer langen Haftstrafe nicht verhärtet oder verbittert sind, würden sie auch nach ihrer Freilassung weniger Verbrechen begehen.