| 01:31 Uhr

Cottbuser Verein Menschenrechtszentrum vor Baustart für Gedenkstätte

Sylvia Wähling in der Geschäftsstelle. Foto: Manuel Holscher/mho1
Sylvia Wähling in der Geschäftsstelle. Foto: Manuel Holscher/mho1 FOTO: Manuel Holscher/mho1
Cottbus. Die geplante Sanierung des Tor- und Haupthauses des ehemaligen Stasi-Gefängnisses an der Bautzener Straße in Cottbus steht unmittelbar bevor. Damit können die ersten Schritte für die geplante Gedenkstätte gemacht werden. Die Verantwortlichen des Vereins Menschenrechtszentrum warten nur noch auf die Baugenehmigung. Von Manuel Holscher

Der Bauantrag wurde laut Sylvia Wähling, der geschäftsführenden Vorsitzenden des Vereins, am 26. Mai gestellt. Nach Gesprächen mit der Stadtverwaltung wurde eine Baugenehmigung für die Sanierungsarbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Stasi-Gefängnisses in Cottbus bis Ende Juli in Aussicht gestellt. „Wir müssten in den kommenden Tagen die Nachricht bekommen“, hofft sie. Ab August sollen dann das Torhaus teilweise und das Haupthaus I fast komplett saniert werden. Um die geplante Gedenkstätte mit einem Bildungszentrum finanzieren zu können, hat der Verein Fördergelder in Höhe von zwei Millionen Euro jeweils zur Hälfte vom Land Brandenburg und Bund bekommen.

Die Gelder vom Land stammen aus dem Vermögen der DDR-Parteien. Rund 300 000 Euro bringt der Verein aus Eigenmitteln auf. „Wir müssen die Fördergelder des Landes noch in diesem Jahr einsetzen. Deshalb ist es wichtig, dass die Baugenehmigung kommt“, drängt Sylvia Wähling auf eine Entscheidung. Außerdem laufe bereits das Ausschreibungsverfahren.

Die Verantwortlichen hoffen darauf, dass sich viele regionale Firmen daran beteiligen. Freiwillige des internationalen Bauordens (IBO), der bei der Restaurierung von historischen Gebäuden Unterstützung anbietet, haben zudem ihre Hilfe für den Aufbau einer Mauer in Richtung Gartenstraße in Aussicht gestellt.

Seit mehr als vier Jahren kämpft der Verein bereits darum, auf dem Gelände des ehemaligen Stasi-Gefängnisses eine Gedenkstätte zu errichten. Die Haftanstalt ist rund 150 Jahre alt und wurde in der Weimarer Republik als Strafgefängnis genutzt. Während der Nazizeit war es ein Frauengefängnis und in der DDR-Zeit wurden vor allem politische Gefangene inhaftiert. Bis 2013 soll eine Ausstellung aufgebaut werden, die sich mit den drei Epochen beschäftigt.

„Es geht aber vor allem um das Schicksal der politischen Gefangenen in Cottbus“, betont Sylvia Wähling. Der Verein Menschenrechtszentrum hat mittlerweile fast 100 Mitglieder und stößt bei immer mehr Menschen auf Interesse. „Viele ehemalige Häftlinge schreiben oder besuchen uns“, so die geschäftsführende Vorsitzende. Neben dem Aufbau der Gedenkstätte plant der Verein auch Ausstellungen und Gesprächsrunden. Vom 8. bis 21. August findet im Cottbuser Rathaus eine Ausstellung des Künstlers Gino Kuhn statt. 50 Gemälde des Künstlers, der in den 1970er-Jahren als politischer Gefangener in Cottbus inhaftiert war, beschäftigen sich anlässlich des 50. Jahrestages mit dem Thema Mauerbau und werden präsentiert. Außerdem kooperiert der Verein Menschenrechtszentrum mit der BTU. Ende des Jahres möchte die Architektur-Professorin Dagmar Jäger einen Workshop für Studenten veranstalten, der sich mit der Umnutzung des ehemaligen Gefängnisses beschäftigt. „Es ist schön, dass wir mit so vielen Menschen zusammenarbeiten können. Uns liegt der Verein und die Gedenkstätte sehr am Herzen“, sagt Sylvia Wähling mit leuchtenden Augen.

Zum Thema:

Zum Thema Der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus sucht ab sofort freiwillige Helfer für die Entrümplung und Entkernung der alten Gefängnis-Gebäude. Außerdem ist der Verein an Sachspenden und Werkzeug interessiert. Interessenten sollten über 18 Jahre alt sein und können sich persönlich in der Bautzener Straße 139 in Cottbus oder per Telefon unter 0355 43090137 im Sekretariat bei Hannelore Dressel melden.