69,95 Euro verlangt die Hamburger Firma HAS für eine „gebührenpflichtige Serviceleistung“ . Die betroffenen Verbraucher hätten sich zu einem „Internet-Service“ angemeldet und könnten einen Monat lang ein Internet-Portal nutzen, heißt es in den Schreiben, die schon Dutzenden aus der Region ins Haus geflattert sind. Merkwürdig daran ist allerdings, dass sich keiner der der RUNDSCHAU bekannten Verbraucher daran erinnern kann, einen derartigen Vertrag abgeschlossen zu haben.

Anzeige bei der Polizei erstatten
„Bloß nicht bezahlen“ , sagt denn auch der Cottbuser Verbraucherschützer Klaus Burkhardt. Er empfiehlt, die Firma schriftlich per Einschreiben und Rückschein aufzufordern, nachzuweisen, dass ein Vertrag abgeschlossen worden ist. Wer die Rechnung ignoriere, müsse mit Mahnschreiben und noch höheren Forderungen rechnen. Und Burkhardt rät: Anzeige wegen Betrugsverdachtes bei der Polizei erstatten.
Denn die dubiosen Rechnungen sind nach Einschätzung der Polizei eindeutig ein Fall für den Staatsanwalt. Kriminalisten haben nämlich entdeckt, dass sich beim Surfen im Netz völlig unbemerkt ein Computerprogramm (Dialer) auf der Festplatte des Rechners installiert, ohne dass eine OK-Abfrage erscheint, und sich automatisch ins Internet einwählt. Der Trick dabei: Über die Nummer des Anschlusses, von dem aus die Einwahl erfolgt, findet die Hamburger Firma dann offensichtlich den Namen und die Adresse des Anschlussinhabers heraus, dem sie wenig später die Rechnung für die angeb-liche Inanspruchnahme eines Service-Dienstes schickt. Quasi als Beweis nennt HAS in den Schreiben die „registrierte Telefonnummer des Betroffenen“ .

Unverfängliche Festnetznummern
Seit dem 14. Dezember 2003 müssen alle Dialer-Programme bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post registriert sein und dürfen nur noch über die Rufnummerngasse 09009 angeboten werden. Diese Programme sollen unerfahrenen Kunden eigentlich helfen, einen passenden Internetzugang einzurichten oder den anonymen elektronischen Zahlungsverkehr für die Inanspruchnahme eines Internet-Angebotes vereinfachen. Das Programm der Hanseatischen Abrechnungssysteme verwendet allerdings keine registrierungspflichtigen Dialer-Nummern, sondern unverfängliche Festnetznummern. Daher versagen in diesem Fall die meisten Dialer-Warnprogramme. Auch eine Sperre der teuren 09009-Nummern nützt deshalb nichts. Und der Regulierungsbehörde für Telekommunikation sind die Hände gebunden.
Zwar hat diese Behörde ein halbes Jahr nach In-Kraft-Treten des neuen Mehrwertdienste-Gesetzes 51 Mehrwertnummern abgeschaltet. Zum 1. Februar waren in Deutschland noch rund 482 000 Dialer über 09009-Nummern registriert. Zugleich arbeitete die Behörde fast 10 000 Verbraucherbeschwerden und -anfragen ab. Bei dem Umweg über eine 069-Nummer wie beim „Hanseaten-Dialer“ kann die Behörde aber nichts machen.
Verbraucherschützer Burkhardt warnt. Mit einer ähnlich perfiden Masche kassiert nämlich derzeit auch die Hamburger Firma „Tele Hansa GmbH“ bei Verbrauchern in der Region ab. So bekam ein Jugendlicher aus Kolkwitz bei Cottbus kürzlich eine Rechnung über 615 Euro für eine „gebührenpflichtige Serviceleistung“ . Angeblich soll er einen SMS-Chatdienst abonniert haben. „Er weiß aber überhaupt nicht, wie das passiert sein soll“ , erklärt seine Mutter. „Und auf den Widerspruch, den wir bei der Firma eingelegt haben, haben die erst gar nicht reagiert.“
Ein Einzelfall? Für Verbraucherschützer Burkhardt nicht. „Das hat Methode, die Betroffenen sind alle Kunden bei Vodafone und haben ein Handy mit Pre-Paid-Karte“ , hat er beobachtet. „Irgendwann klingelte bei denen das Telefon und jemand fragte nach dem Namen und der Adresse, weil er angeblich zum Beispiel ein Paket zustellen wollte. Was folgte, war dann aber nur die Rechnung für ein angebliches Monatsabo für einen SMS-Flirtdienst, der bestellt worden sein sollte.“
Wie bei den Rechnungen, die die Hanseatische Abrechnungssysteme verschickt, empfiehlt Burkhardt: Nicht zahlen, Widerspruch einlegen und es auf eine Gerichtsverhandlung ankommen lassen.
Dort stehen die Karten für die Verbraucher inzwischen nicht schlecht. Bei den Amtsgerichten in der Region haben sich die Klagen einiger Inkasso-Büros, die für dubiose Mehrwertdienste-Betreiber säumige Beträge gerichtlich einfordern wollen, in den letzten Monaten gehäuft. Verbraucherschützer Burkhardt sind allein vier Klagen bekannt. „Mit Urteilen zu Kleinstbeträgen wollen diese Inkasso-Büros anscheinend eine Bresche schlagen, um unter Verweis auf diese Urteile ihre Rechtsposition zu verbessern“ , vermutet er.

Rechnung, aber kein Anschluss
So hatte die Intrum Justitia Inkasso GmbH kürzlich eine Cottbuserin auf die Zahlung von 34,99 Euro verklagt, weil die Dame angeblich acht Sekunden lang ein Internet-Angebot genutzt haben sollte. Merkwürdigerweise hatte die Cottbuserin aber gar keinen Internet-Anschluss. Und im Übrigen, heißt es in dem Urteil, „dürfte der von dem Sonderanbieter in Rechnung gestellte Preis für die behauptete acht Sekunden dauernde Nutzung bei weitem überhöht sein“ .


Hintergrund Dialer ändert die Einwahl
 Dialer sind Programme, die – häufig getarnt – die Einwahl ins Internet ändern: Statt der normalen Einwahl wird eine andere kostenpflichtige Nummer angewählt. Damit kostet das Surfen beispielsweise statt zwei Cent pro Minute plötzlich 1,86 Euro. Bei der Nutzung von Erotik-Angeboten oder anderen gebührenpflichtigen Internet-Angeboten wird die Internetverbindung für die Dauer der Nutzung meist auf eine derartige Nummer umgeschaltet.