Sein Mannschaftskamerad Philipp Boy will dagegen bei seiner eventuellen Olympia-Premiere im nächsten Jahr möglichst ein Stück aus dem Schatten des derzeit übermächtigen Fabian Hambüchen (Wetzlar) treten. Zunächst muss aber die deutsche Männer-Riege heute bei der 40. Turn-Weltmeisterschaft in Stuttgart es der Frauen-Riege nachmachen und das Ticket zu den Olympischen Spielen 2008 lösen.

Seit Monaten läuft die Vorbereitung auf diesen einen Wettkampf. Heute ab 19 Uhr wird es für die Riege von Cheftrainer Andreas Hirsch (Berlin) in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle ernst. In der letzten Qualifikationsgruppe gehen ab 19 Uhr Robert Juckel, Philipp Boy, Fabian Hambüchen, Eugen Spiridonov (Bous), Thomas Andergassen (Stuttgart) und Marcel Nguyen (Unterhaching) an die Geräte. Am Ende sollte für Deutschland (WM-Siebter in Aarhus/Dänemark 2006) mindestens Platz zwölf zu Buche stehen – dann darf die Mannschaft die Koffer für Peking packen.
Neben Fabian Hambüchen wird der Cottbuser Philipp Boy einen Sechskampf bestreiten (die RUNDSCHAU berichtete). Zwar musste der 20-Jährige nach seiner langwierigen Fußverletzung vom März (mehrfacher Bänderriss) lange um seine WM-Teilnahme zittern. Im Trainingslager im Bundesleistungszentrum Kienbaum hat sich der deutsche Vizemeister im Mehrkampf indes schnell wieder als unverzichtbare Größe im Kader etabliert. "Es war ein wunderschönes Gefühl, als der Trainer meinen Namen genannt hat und mich nominiert hat" , so Boy.
Der zeigte auf dem Weg zu seiner zweiten WM nach Aarhus in den vergangenen Monaten eisernen Willen, erlebte viele Hochs und Tiefs, pendelte zwischen Cottbus, Berlin und Freiburg, um eine optimale Genesung des verletzten Fußes hinzubekommen. "Ich bin froh, dass ich durchgehalten habe", sagt der Sportschüler. "Ich konnte mich kontinuierlich steigern und habe bis auf Boden und Sprung wieder mein Niveau von vor der Verletzung erreicht." In Stuttgart will sich der aus Schwedt stammende Boy voll in den Dienst der Mannschaft stellen. Für die Zukunft hat er indes weitergehende Ziele: "Ich möchte international Fuß fassen und Edelmetall bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewinnen."

Während Boy von Edelmetall in Peking träumt, denkt Juckel allmählich an sein internationales Karriereende. Nach den Olympischen Spielen 2008 will er deutlich kürzer treten. "Danach werden sich die Prioritäten sicher verschieben, werde ich meine Berufsausbildung vorantreiben", so der Sportsoldat (Stabsunteroffizier), der sich eine Ausbildung bei einem Kreditinstitut vorstellen könnte. Zunächst soll aber die Qualifikation geschafft werden – schließlich hat Juckels Schwester Doreen schon Eintrittskarten für die Olympia-Eröffnungsfeier am 8. August 2008 erworben.
Der 25-Jährige ist inzwischen seit der WM 2001 in Gent (Belgien) dabei, turnte bereits bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen (Platz acht mit der Mannschaft) und zählt mit seiner Erfahrung und Ruhe zu den Stützen im Team. "Robert hat das ganze Hin und Her im Leben eines Leistungssportlers schon mitgemacht“, sagt Chefcoach Hirsch über seinen Kapitän. „Er ist ein offener Typ, der sich auch gerne beraten lässt.“

Juckel, der seit fünf Jahren überwiegend in Fellbach bei Stuttgart lebt und im Kunstturnforum der schwäbischen Metropole trainiert, wird bei seiner "Heim-WM" an fünf Geräten starten. Bei der Europameisterschaft in Amsterdam im Frühjahr war er noch Sechskämpfer, belegte Platz 14. In Stuttgart verzichtet er auf den Barren. "Wir haben in der Vorbereitung ordentlich geschrubbt. Es wird Zeit, dass es losgeht. Wir sind eine gute Truppe – und das werden wir zeigen", so Juckel.