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| 02:39 Uhr

Cottbuser Rentnerin wurde gewaltsam getötet

Hier wohnte das Opfer – der Hauseingang in der Inselstraße 22b.
Hier wohnte das Opfer – der Hauseingang in der Inselstraße 22b. FOTO: tsz1
Cottbus. Eine 82-jährige Cottbuserin ist am 9. Dezember tot in ihrer Zwei-Zimmer-Wohnung aufgefunden worden. Peter Augustin, der Leiter der Mordkommission der Polizeidirektion Süd, ist sich sicher, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt. Konkrete Hinweise auf Täter soll es noch nicht geben. Um weitere Zeugen zu finden, startet die Polizei am Donnerstag in der Innenstadt eine Sonderaktion. Annett Igel-Allzeit

Mehr als 50 Zeugen sind am Wochenende zu Gerda K. befragt worden. "Die rüstige Seniorin kannte viele Cottbuser, kümmerte sich gern um Ordnung und Sicherheit in ihrem Wohnbereich in der Inselstraße - ob es um die Parkplatzsituation ging oder um zu viel Lärm", zählt Peter Augustin auf. Bevor Gerda K. vor 20 Jahren in Rente ging, hatte sie im Cottbuser Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn (einst RAW) gearbeitet. Am Freitag, 9. Dezember, wurde sie von den ehemaligen Kollegen zu einer Weihnachtsfeier erwartet. Sie sei geistig wie körperlich fit gewesen, half gern bei den Vorbereitungen solcher Feiern. Als sie am Freitag nicht kam, machten sich die ehemaligen Kollegen Sorgen. Sie riefen einen Verwandten der Cottbuserin an. Er fand seine Schwester gegen 19.15 Uhr tot in ihrer Wohnung.

Früh war für Peter Augustin klar, dass es sich in diesem Fall um ein Gewaltdelikt handelt. Worauf er sich dabei stützt, welche tödlichen Verletzungen an Gerda K. gefunden wurden, will er noch nicht sagen. "Das ist Täterwissen", erklärt er. Schon jetzt damit an die Öffentlichkeit zu gehen, könnte die Ermittlungen stören. Auch zum Zustand der Wohnung äußert er sich nicht. "Sie bewohnte eine kleine, gepflegte Zwei-Zimmerwohnung im 1. Obergeschoss. Der Verwandte, der sie fand, kam mit einem Schlüssel in die Wohnung. In der Familie ist es üblich, einen Zweitschlüssel zu haben, um im Notfall einander helfen zu können", sagt Peter Augustin.

Trotz umfangreicher Ermittlungen das gesamte Wochenende über gibt es laut Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon noch keine konkreten Hinweise auf einen Täter. Und es muss weiter ermittelt werden, um die Tatzeit weiter eingrenzen zu können.

Sicher ist inzwischen, dass sich Gerda K. am Donnerstag, 8. Dezember, etwa zwischen 7.30 und 8 Uhr auf den Weg in die Innenstadt machte. In einem Friseurgeschäft am Ostrower Damm ließ sie sich ihr Haar frisieren - sicher auch in Vorbereitung auf die Weihnachtsfeier. Auf dem Weg trug die etwa 1,75 Meter große Seniorin einen schwarzen, längeren Anorak, einen auffällig bunten Schal, die braun-schwarze Handtasche und einen Stoffbeutel mit Sternen. Dass sie auch nach dem Friseurtermin ihre schwarz-grau gesprenkelte Mütze aufsetze, bezweifelt Peter Augustin: "Frauen tragen in der Regel nach einem Friseurtermin keine Mütze." Vom Ostrower Damm sei sie wohl zum Stand der Landfleischerei am Stadthallenvorplatz gegangen und über das Blechen-Carré zurück nach Hause. Für den Einkauf muss die Mordkommission nach jetzigen Aussagen und Ermittlungen eine Spanne von 8 bis 15 Uhr annehmen. Aber ob sie am Donnerstagabend noch lebte, am Freitag noch zum Briefkasten laufen konnte - all das ist ungewiss.

Das Foto, das die Mordkommission von Gerda K. hat, ist etwa zwei Jahre alt. Die Polizisten, die am kommenden Donnerstag mit mobilen Wachen in der Innenstadt genau dort stehen, wo auch Gerda K. vor einer Woche entlangbummelte, werden es dabeihaben. "Wir suchen weitere Zeugen, die Gerda K. gesehen haben oder sogar wissen, wen sie am 8. Dezember in der Stadt traf und mit wem sie gesprochen hat. Und all denen, die schon am Wochenende auf unsere Befragungen reagiert haben, sind wir sehr dankbar", sagt Peter Augustin.

In ihrem Bereich zwischen der Grenze zu Sachsen und der Stadtgrenze zu Berlin hat Augustins Mordkommission im Jahr 15 bis 20 Tötungsdelikte zu bearbeiten. Im Juni 2013 hatte in Forst ein Nachbar eine gehbehinderte und fast blinde Rentnerin erdrosselte und ihr Bargeld mitgenommen. Der Raubmord an einer 70-jährigen Rentnerin im Januar 2015 in Senftenberg wird seit einem Jahr vorm Landgericht Cottbus verhandelt.

Zum Thema:
Die Staatsanwaltschaft Cottbus und die Mordkommission der Polizeidirektion Süd suchen im Zusammenhang mit dem Tötungsverbrechen an der 82-jährigen Rentnerin Zeugen, die sie am Donnerstag, 8. Dezember, in der Zeit von etwa acht Uhr bis etwa 15 Uhr im Innenstadtbereich von Cottbus gesehen hat. Sachdienliche Hinweise werden telefonisch unter 0355 49372642 bei der Polizei in Cottbus und auch im Internet über www.internetwache.brandenburg.de entgegengenommen.