Wie dieser ist Schmal Mitglied im losen Verein der „Freunde der Africa-Twin“ . Die Honda Africa-Twin ist eine von Sahara-Fahrern gern benutzte schwere Reise-En-duro-Maschine. So schnell wird sein Motorrad allerdings keinen Wüstensand mehr sehen. „In nächster Zeit dort hinein zu fahren, wäre leichtsinnig“ , sagt der 32-Jährige, den bereits zwei Touren durch den tunesischen Teil der Sahara führten, um Land und Leute buchstäblich zu erfahren.
„Eine Herausforderung“ , nennt Schmal das Hobby der kleinen Wüstenfahrer-Gemeinde, leichtsinnig sei dort seiner Meinung nach kaum jemand. Die Fahrer sind sich der Risiken bewusst. Da diese bekannt sind, könnten sie durch peinlich genaue Vorbereitung auf die Tour minimiert werden, meint er: „Planung ist da alles.“ Die Vorbereitungen dauern in der Regel ein halbes Jahr.

Beschriftung in Kyrillisch
Seine letzte Afrika-Tour im Jahr 2002 fuhr er in einer Neunergruppe. Üblich sind Vierergruppen. Die Maschinen – mit dem Satelliten-Navigations-System GPS ausgestattet – hätten ohne Probleme in der Gruppe repariert werden können, „selbst unter widrigsten Bedingungen“ , sagt der Cottbuser Informatiker, der von Beruf Experte für Sicherheitssysteme in Computernetzen ist. Zur besseren Orientierung hatten sich die Sahara-Fahrer russische Generalstabskarten besorgt. „Die Beschriftung war kyrillisch“ , erinnert sich Schmal.
An die körperlichen Grenzen ist er damals gekommen. Obwohl es keine wirklich gefährlichen Zwischenfälle gab. Zehn Kilo Körpergewicht hatte er nach drei Wochen verloren. Der Sand sei einfach überall gewesen, sagt der Motorrad-Fan. Dabei dürfe man sich die Reise nicht wie eine Rallye vorstellen: „Das ist nicht Paris-Dakar.“
Die Wüstenfahrer sind nach seinen Erfahrungen eher gemächlich unterwegs, „weil du einfach aus Vorsicht sehr defensiv fährst“ . Auch sei ihm niemand bekannt, der Fossilien oder andere archäologische Funde aus der Wüste mitnehme, wie es den Abenteuer-Touristen gelegentlich vorgeworfen wird. „Beim Fahren ist einfach jedes Gramm zu viel. Im Gepäck ist nur das Nötigste.“ Klar sei aber auch: „Es ist alles wie im richtigen Leben.“ Schwarze Schafe gibt es wohl überall.
Mit leuchtenden Augen erzählt er von der Stille und dem Sternenhimmel, der sich den Wüstenreisenden in der Nacht zeigt. Die Faszination der Abgeschiedenheit, dem Gefühl, eine Gegend zu betreten, die noch niemand vorher sah, fernab des Tourismus-Rummels, ist es, die süchtig machen kann.
Um dann doch den entscheidenden Schritt zu weit zu gehen?
Schmal kann sich das nicht vorstellen. Man passe untereinander auf sich auf und „die Fahrer wissen, wenn es besser ist umzukehren“ . Außerdem hätten gerade die Motorradfahrer einen leichteren Stand. Schon bei seinen Fahrten in die Wüste tuschelten die Fahrer von Überfällen. Doch bei diesen Geschichten ging es immer um Autos, auf die die Banditen in der Wüste scharf waren. „Der Verkauf von Jeeps bringt den Banden schnell Geld ein. Mit Motorrädern können die nichts anfangen“ , erklärt er.

Je weiter weg, desto freundlicher
Zudem sei der Aufwand höher, wenn eine Bande eine Gruppe Motorradfahrer schnappen wolle. „Das ist wie einen Bienenschwarm einzufangen.“ Hinzu komme ein hoher logistischer Aufwand, eine ganze Gruppe in der Wüste zu versorgen. Seine Begegnungen mit Einheimischen waren indes durchweg positiv: „Je weiter weg vom Tourismus, desto freundlicher begegnen einem die Menschen“ , sagt er. Manchmal tauchten Nomaden aus dem Nichts auf, „dann sprichst du halt ein paar Brocken in der Landessprache zur Begrüßung“ . In nächster Zeit braucht Schmal allerdings nun keine arabischen Vokabeln mehr zu pauken.

Herausforderung im Osten
Doch der begeisterte Motorradfahrer hat schon neues Gelände ausgemacht: „Mit der Maschine tief in den Osten fahren ist auch eine Herausforderung.“

Aktuell Verhandlungen um Befreiung der Sahara-Geiseln
 Zur Befreiung der noch immer verschleppten 15 Sahara-Touristen, darunter zehn Deutsche, werden nach Informationen des Rundfunksenders Radio France Internationale (RFI) weiter Lösegeldverhandlungen geführt. Diese sollen demnach auch zur Freilassung der 17 Geiseln am Dienstag geführt haben. Es habe bei der Befreiung „keinen Sturmangriff gegeben und schon gar keine Opfer“ hieß es unter Berufung „auf algerische und auf Schweizer Quellen“. Der algerische Generalstab hatte hingegen mitgeteilt, Eliteeinheiten hätten die 17 Geiseln nach einem kurzen Sturmangriff befreit. Auch einige heimgekehrte Geiseln berichteten von einem Feuergefecht.