Seit 28 Jahren hat Tristan W. in der Notaufnahme des Cottbuser CTK gearbeitet. Bis August dieses Jahres war er Oberarzt und stellvertretender Chefarzt der Abteilung gewesen. Aus dieser Funktion wollte die Klinikleitung W. ablösen. Außerdem schickte sie den Mediziner zu einer Routineuntersuchung beim Betriebsarzt. Der Pflichtteil - also die Untersuchung auf Hepatitis A, B und C - ergab keine Beanstandungen. In der Nebenuntersuchung soll bei W. aber ein Herzflimmern festgestellt worden sein. Diesen Befund leitete die Betriebsärztin an die CTK-Leitung weiter, die daraufhin Zweifel an der Dienstfähigkeit des Mediziners äußerte und ihn freistellte. Ein Gütetermin blieb erfolglos.

Das Gericht entschied nun, dass die Freistellung von W. rechtens ist. Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung liege derzeit nicht vor, so die Begründung. Deshalb dürfe das Klinikum den Arzt auch nicht weiter beschäftigen. Ein Attest des Hausarztes reiche nicht aus. Eine erneute Untersuchung beim Betriebsarzt hatte der Mediziner zuvor abgelehnt. Der CTK-Betriebsrat hatte zuvor kritisiert, dass ein Nebenbefund den Arbeitgeber nicht interessieren dürfte. Das Gericht wies darauf hin, dass es in diesem Fall ein klares Prozedere gibt. Werde der Befund der Betriebsärztin angezweifelt, könne das Landesamt für Arbeitsschutz entscheiden.

In einem weiteren Verfahren hatte sich W. gegen den Widerruf seiner Stellung als Ober- und stellvertretender Chefarzt der Notaufnahme gewandt. Diese Klage hatte Erfolg. So ein Widerruf sei nur unter vorab festgelegten Kriterien zulässig. Diese waren nicht formuliert. Somit bleiben die arbeitsvertraglichen Bedingungen von W. bestehen - obwohl er derzeit freigestellt ist.

Derzeit strukturiert das Klinikum die Notaufnahme um. So soll im kommenden Jahr ein Dreischichtmodell für Ärzte eingeführt werden. So sollen auch die Arbeitszeiten reduziert werden. Tristan W. hatte in der Vergangenheit oft die dünne Personaldecke öffentlich kritisiert. CTK-Mitarbeiter vermuten, dass die Klinikleitung an W. ein Exempel statuieren wolle. Unterdessen kündigte CTK-Prokurist Till Frohne noch vor der Entscheidung des Arbeitsgerichtes an, dass die Stelle von W. neu besetzt werde.