Dies sei dringend notwendig. Zu dieser Überzeugung ist Sylvia Wähling durch ihre Einsätze im Nordirak gekommen. Die Chefin des Menschenrechtszentrums hat die autonome Region Kurdistan mehrmals besucht und dort mit Politikern, Menschenrechtlern und Helfern in den Flüchtlingscamps gesprochen. Dort hat sie von den Verbrechen des IS immer wieder aus erster Hand erfahren. "Der internationale Strafgerichtshof in Den Haag ist für die Verbrechen des IS nicht zuständig", erklärt sie. Denn weder der Irak noch Syrien hätten den Strafgerichtshof anerkannt. "Darüber hinaus gibt es die Gerichtsbarkeit in den beiden Ländern nicht her, den IS wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verfolgen." Doch die Einrichtung eines solchen IS-Tribunals könne nur der UN-Sicherheitsrat beschließen.

"Wie soll denn jemals Frieden in den Ländern herrschen, wenn die Täter ungesühnt als Nachbarn der Opfer weiterleben?", fragt Sylvia Wähling. Damit spricht sie aus, was viele Opfer empfinden. "Nur durch massiven Druck der Zivilgesellschaft können wir die Vereinten Nationen dazu bewegen." Das dies gelingen kann, habe der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien bewiesen, der 1993 geschaffen wurde und Verbrechen während der Jugoslawienkriege verfolgt.

"Ohne Gerechtigkeit keine Verständigung, ohne Verständigung kein Frieden", so steht es auf der Petition, mit der die IGFM und das Menschenrechtszentrum Unterschriften für das IS-Tribunal sammeln. Die Unterschriften können bis zum 3. August an das Menschenrechtszentrum Cottbus gesandt werden. Das Datum markiert den Beginn des Angriffs des IS auf die Jesiden im Irak im Jahr 2014. "Am 1. September wollen wir die Petition den Vereinten Nationen in Genf übergeben", erklärt Sylvia Wähling. Auch dieses Datum ist mit Bedacht gewählt, ist es doch der Weltfriedenstag.