Jedes Wort der Presseerklärung, die der Stadtsportbund Cottbus am Freitag verschickt, scheint mit Vorsicht gewählt. Die Erklärung dafür steht am Ende des Textes. Der Sportbund richtet sich auf eine juristische Auseinandersetzung mit dem Kickbox-Team Cottbus (KBTC) ein. Denn der Sportbund hat den Kampfsportverein ausgeschlossen. Der hatte im vorigen Jahr rund 80 Mitglieder und einen Europameister hervorgebracht. Angaben zur aktuellen Mitgliederstärke sind der RUNDSCHAU nicht bekannt.

Begründet wird der Ausschluss damit, dass bei dem Verein Sachverhalte vorlägen, "…die letztlich das Ansehen der Sportfamilie und die Belange des Sportes schädigen". Gemeint ist damit ein Mangel an Transparenz und klarer Abgrenzung zur rechtsextremen Szene, über den Stadtsportbund und KBTC seit Monaten streiten.

Seit Ende 2011 hatte die RUNDSCHAU über rechtsextreme Verbindungen des KBTC berichtet. Zu dieser Zeit war bekannt geworden, dass Markus W., damaliger Spitzenkämpfer, Deutscher Meister und einer der Vereinsgründer, ein Neonazi ist. Seit Mittwoch muss er sich wegen versuchten Totschlags zusammen mit zwei anderen Männern vor dem Landgericht Cottbus verantworten.

Im vergangenen Jahr kamen dann immer mehr belastende Details ans Tageslicht: Weitere Kämpfer mit rechtsradikalem Hintergrund, Verbindungen zu rechtsradikalen Fußballfans der Cottbuser Gruppe "Inferno" und eine Mallorca-Reise mit Hitler-Gedenk-Shirts. An der nahmen neben Markus W. auch der derzeitige Spitzenkämpfer und Europameister Mario Schulze und ein Vereinssponsor teil. Mehr als die Hälfte der Gruppe war vorher bei rechtsradikalen Konzerten, Partys oder wegen Propagandadelikten aufgefallen.

Im Februar kündigte die Stadt dem KBTC die Nutzung einer Sporthalle, nachdem sie erfahren hatte, dass dort bei einem Vereinsturnier im November 2012 auch Neonazi Markus W. unbehelligt unter den Zuschauern saß. Das KBTC hatte er nach Angaben des Vereins Ende 2011 "einvernehmlich" verlassen.

Als Ende Mai der inzwischen mit Haftbefehl gesuchte Rechtsextremist in Österreich festgenommen wurde, waren auch KBTC-Spitzenkämpfer Mario Schulze und Vereinschef Steve Beier anwesend. Eine Anfrage des Stadtsportbundes dazu bügelte das KBTC mit dem lapidaren Hinweis ab, man könne keine Auskunft über "das Privatleben einzelner Mitglieder" geben. Und für deren "Freizeit" sei man nicht zuständig.

Das brachte beim Stadtsportbund offenbar das Fass zum Überlaufen. Anfang August leitete er das Ausschlussverfahren gegen das KBTC ein. In der dem Verein vorgelegten Begründung wird festgestellt, dass nach Überzeugung des Sportbundes noch immer eine Verstrickung einzelner Mitglieder in die rechte Szene vorläge. Aufgrund persönlicher Freundschaften und gegebenenfalls auch Geschäftsbeziehungen sei eine Trennung zwischen Vereinstätigkeit und Privatem kaum möglich.

Die Stellungnahme des KBTC dazu kam vom Anwalt des Vereins. Er wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, einen Ausschluss des Vereins gerichtlich überprüfen zu lassen. In der Stellungnahme wird auch versichert, das KBTC habe "zu keiner Zeit" die Beratung durch Mitarbeiter des Landessportbundes (LSB) Brandenburg abgebrochen.

Wer mit Uwe Koch, Leiter des LSB-Projektes "Tore für Demokratie" spricht, gewinnt einen anderen Eindruck. Im Herbst 2012 hatte der LSB begonnen, das KBTC und Mario Schulze zu beraten. Klares Ziel dabei, den Verein und Schulze zu unterstützen, damit sie sich glaubhaft und konsequent von der rechten Szene abgrenzen und damit auch ihren Ruf in der Öffentlichkeit wiederherstellen können.

Die Gespräche hätten hoffnungsvoll begonnen. "Wir haben dort auch deutlich gemacht, dass alle öffentlich abgegebenen Erklärungen des Vereins Hintertürchen offenlassen", so Koch. Diese "Hintertürchen" seien nicht beseitigt worden.

Im Februar riss der Kontakt dann völlig ab. "Wir haben noch mindestens sechs Mails an den Verein geschickt, aber keine Antwort bekommen", so Koch. Auch Anrufversuche blieben erfolglos. Die Entscheidung des Stadtsportbundes Cottbus, das KBTC nun auszuschließen, hält Koch für richtig.

Im Internet begann das KBTC vor einigen Tagen auf seiner facebook-Seite eine Erklärung und Teile aus dem Schriftwechsel mit dem Stadtsportbund Cottbus zu veröffentlichen. Der Verein sieht sich darin wie schon in der Vergangenheit als Opfer. In den vergangenen Monaten, so heißt es da, sei das "… Vertrauen in Menschen, die Verhältnisse in unserem Land und vor allem in die Politik" schwer erschüttert worden. Ein Eingeständnis eigener Fehler und Versäumnisse findet sich nicht.

Der Landessportbund wird nun ebenfalls ein Ausschlussverfahren gegen das Kickbox-Team Cottbus in Gang setzen. Das bestätigt Referent Ralf Kutzner. Der Verein bekäme Gelegenheit zur Stellungnahme. Kutzner stellt jedoch klar, dass die Mitgliedschaft im Stadtsportbund Voraussetzung sei, um Mitglied im Landessportbund zu sein.

Was ein Verein verliert, wenn er dort ausgeschlossen ist? Den Zugang zu kommunalen Sportstätten, eine Haftpflicht- und Unfallversicherung, die Versicherung der Übungsleiter über die Berufsgenossenschaft, zählt der Referent auf. "Es ist das erste Mal in Brandenburg, dass ein ganzer Verein aus einem regionalen Sportbund ausgeschlossen wird", so Kutzner.

Eine gestern übermittelte Anfrage der RUNDSCHAU an das KBTC zu dem Sportbund-Ausschluss blieb wie viele Anfragen an den Verein in den vergangenen Monaten unbeantwortet.