Herr Kalliske, haben Sie am Sonntag sehr über das Wetter geflucht?


Einem Karnevalisten ist schlechtes Wetter egal, der sorgt immer für gute Stimmung. Die Teilnehmer mussten allerdings auf ihre teuren Kostüme achten. Einige trugen Folientüten über dem Federhut. Das Schmuddelwetter hatte dafür auch einen Vorteil. Zum ersten Mal haben wir es geschafft, in den zweieinhalb Stunden Sendezeit für das Fernsehen, alle Wagen an der Kamera vorbeizuführen. Der Regen hat das Zugtempo etwas erhöht.

Und dafür gesorgt, dass weniger Besucher am Straßenrand standen.

Wir schätzen knapp 80 000 gegenüber 100 000 in den Vorjahren. Dafür war der Anteil der verkleideten Zuschauer höher. Der steigt kontinuierlich. Bei der kalten Witterung kommen viele im Ganzkörper-Kostüm, als Hase oder Bär zum Beispiel.

Konnten auch die Karnevalsvereine mit ihren Wagen, Tanzgruppen und Kapellen die Qualität steigern. Ihr Präsident Frank Czepok hat vor dem Umzug selbstkritisch angemerkt, dieser könne mehr politische Aussage vertragen, mehr Kreativität. Das Techno-Gedröhne nehme überhand.

Einigen Teilnehmern müssen wir noch klar machen, dass unser Umzug keine Love-Parade ist. Techno-Musik hat hier nichts zu suchen. Am Sonntag haben wir aber einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Der Cottbuser Umzug hat bundes- und landespolitische Themen genauso aufgegriffen wie lokale.

Können Sie Beispiele nennen?

Natürlich war die Finanzkrise Thema. Die Gebäudewirtschaft Cottbus ging humorvoll mit dem Thema Einwohnerschwund um. Der Groß Gaglower Karnevalsverein hat die Probleme mit dem Schwimmbad Lagune auf die Schippe genommen. Aus Großräschen kam ein Umzugswagen, der aussah wie ein Schiff. Es hieß Ilse. So wie der See, der zwischen Großräschen und Senftenberg entsteht. Ein Symbol für die Zukunftshoffnung. Aber der Umzug soll noch stärker zurück zum Straßenkarneval gehen, kleinteiliger werden mit selbst gemachter Musik, noch stärker politische Themen satirisch behandeln.

Wie lässt sich das Niveau steigern? Lassen sich die Lausitzer Karnevalisten von den großen Umzügen im Rheinland inspirieren?

Sicher gucken wir da hin. Beim Figuren-Bau sieht man das. So kam aus Bad Muskau diesmal ein großer zweiköpfiger Drache. Das sind aber eher technische Dinge. Inhaltlich lässt sich nur selten etwas übernehmen. Jeder Umzug muss seine eigenen Themen finden, witzig verarbeiten, was die Leute in der Region beschäftigt.

Wie motivieren sich die Karnevalisten, sich immer wieder etwas Neues auszudenken, Geld und Zeit zu investieren?

Sponsoren-Preise für die schönsten Wagen oder den satirischsten, den die RUNDSCHAU stiftet, helfen. Vor allem aber regen sich die Karnevalsvereine untereinander mit ihren Ideen an. Dieses Jahr haben wir eine Bundes- und Landtagswahl, die Finanzkrise geht weiter – das liefert viel Stoff für neue Ideen.