Von der Lok ist kaum mehr übrig als eine riesige Grundplatte mit Aussparungen. Obendrauf stehen Paul Groba und Ralf Devantier. Die Männer passen eine Konsole für die Aufbauten an. Das Gerüst ist eine Spezialanfertigung aus den eigenen Werkstätten - wie fast alles für dieses Fahrzeug. Denn diese 50 Jahre alte Diesellokomotive der 294er-Baureihe durchläuft keine gewöhnliche Instandhaltungs-Prozedur. Aus ihr wird etwas ganz Neues. Sie ist eine von zwei Hybrid-Loks, an denen derzeit in Cottbus parallel gearbeitet wird. Die Fahrzeuge sollen künftig sowohl mit Diesel- als auch Batterie-Antrieb fahren können und dem Cottbuser Bahnwerk viel Arbeit verschaffen.

Mit diesem Projekt betreten nicht nur die Instandhalter und ihre Auftraggeber, die DB Cargo, Neuland. Werkleiter Wolfgang Stepanek erklärt: "Hier wird erstmals ein Fahrzeug auf die Hybrid-Technik umgerüstet." Weitere Projektpartner sind demnach der japanische Technikkonzern To shiba, der die Batterien und den Umrichter - also die Steuerung - liefert, der deutsche Antriebstechniker Henschel GmbH, die das Getriebe beisteuern und die DB Systemtechnik, die für die Konstruktion verantwortlich ist.

Cottbuser sind die Praktiker

Die Cottbuser sind in dem Projekt die Praktiker. Sie setzen um, was Ingenieure entwerfen und bauen ein, was Maschinenbauer liefern. "Einige Probleme tauchen erst während der Fertigung auf", sagt Stepanek. "So fließt die Erfahrung unserer Mitarbeiter in die Konstruktion ein." Projektleiter Frank Gorlt ergänzt: "Das führt sogar dazu, dass die Ingenieure von Toshiba in Japan aufgrund unserer Hinweise Änderungen vornehmen. Denn niemand kennt diese Loks so gut wie unsere Mitarbeiter." So wurde etwa eine Konsole neu konstruiert, weil die Mechaniker das darauf montierte Bauteil ansonsten bei einer Reparatur nicht mehr erreichen könnten. Entsprechend langwierig ist die Arbeit an den Prototypen. Schließlich müssen nicht nur neue Elemente entworfen, sondern auch Spezialwerkzeuge entwickelt und Fertigungsprozesse optimiert werden. "Dafür wollen wir uns die BTU Cottbus ins Boot holen", berichtet der Werkleiter.

An dem Hybrid-Projekt wird seit dem Jahr 2014 getüftelt. Damals nur auf dem Reißbrett. "Seit dem Herbst 2015 arbeiten wir an den Fahrzeugen", sagt Projektleiter Gorlt. "In diesem Jahr waren der Rückbau der Lokomotive bis auf den Rahmen und der Bau der Konsolen unsere Aufgabe."

Läuft alles nach Plan, sind die Prototypen Mitte 2017 komplett. Dann folgt die Testphase. Dafür geht eine Lok in den Praxistest, die zweite kommt aufs Prüffeld. Wobei Ingenieure alle möglichen Werte der neuen Maschine sammeln und die Zusammenarbeit der verschiedenen Elemente kontrollieren. Erst die Auswertung wird zeigen, ob sich die wirtschaftlichen und ökologischen Erwartungen erfüllen. Denn die Hybrid-Loks sollen weniger Diesel verbrauchen, damit Geld sparen und auch weniger Lärm machen. Frühestens Ende 2018 rechnet Wolfgang Stepanek mit einer Entscheidung über eine Serienumrüstung, die ab dem Jahr 2020 beginnen könnte.

Viel Arbeit für die Bahner

Dafür wollen sich die Cottbuser empfehlen. Allein in der 294er-Baureihe sind laut Werkleiter 280 Fahrzeuge für die DB Cargo unterwegs. Das wären rund 60 Loks pro Jahr und damit Arbeit, die die Cottbuser Bahner gut gebrauchen können.

"Bei einem Erfolg wäre sicherlich nicht nur die Deutsche Bahn an einer Umrüstung interessiert, sondern auch andere Verkehrsunternehmen", prophezeit Wolfgang Stepanek. Projektleiter Frank Gorlt ergänzt: "Die Lokomotiven könnten dann mindestens 14 Jahre weiterfahren. Das ist eine gute Übergangszeit für die Unternehmen für Neuanschaffungen."

Zum Thema:
Im DB Fahrzeuginstandhaltungswerk Cottbus sind derzeit rund 500 Mitarbeiter beschäftigt. Der Betrieb ist auf die Reparatur und Überprüfung von Diesellokomotiven und Reisezugwagen spezialisiert.