Die weiteren Olympioniken sind Fabian Hambüchen (Wetzlar), Thomas Andergassen (Stuttgart), Eugen Spiridonov (Bous) und Marcel Nguyen (Unterhaching) erreichten in der Mannschaftsqualifikation 364,350 Punkte, belegten damit den dritten Platz und turnen morgen um die Medaillen. Sieger der Qualifikation wurde China (374,275).

Als um kurz vor 19 Uhr Mannschaftskapitän Robert Juckel aus Cottbus die deutsche Männer-Riege in die Hanns-Martin-Schleyer-Halle führte, stieg die Stimmung in der nicht ganz besetzten Arena deutlich an. Tosender Applaus und Gebrüll der meist jugendlichen Fans begeleiteten Boy & Co. "Die Halle wird rocken“, hatte sich Juckel im Vorfeld seiner "Heim-WM" gewünscht. Und der 25-Jährige, der seit fünf Jahren im Kunstturnforum von Stuttgart trainiert, sollte recht behalten.

Lautstark, bunt geschminkt und mit vielen schwarz-rot-goldenen Fahnen unterstützten die Fans lautstark und farbenfroh die Mannschaft von Cheftrainer Andreas Hirsch (Berlin). Juckel: „Wir brauchen die Unterstützung der Fans, sie wird uns durch den Wettkampf tragen.“
Ein Selbstläufer war der Sprung als Auftaktgerät und sorgte für steigende Stimmung. Boy (Kasamatsu/15,875 Punkte) und Juckel (Roche/15,975) brachten zwei hohe Wertungen ein, so dass die deutsche Riege sogar überraschend auf dem zweiten Platz lag. Auch nach dem Barren (Juckel verzichtete) steuerte das Sextett trotz kleinerer Fehler Richtung Peking.
Drohte die Mannschaft am Reck kurzzeitig nach schwächeren Übungen von Andergassen und Nguyen ins Schlingern zu kommen, brachte Hambüchen die Halle und die Mannschaft wieder "auf Kurs" . Für der schwerste Reckübung aller Zeiten mit vier (!) Flugteilen kassierte er 16,025 Punkte, stieg von der Matte und präsentierte den Fans die geballten Fäuste und seine Muskelberge. Zuvor hatten Boy (14,725) und Juckel (14,700) mit grundsoliden Übungen ihre Mannschaftsdienlichkeit bewiesen.
Am Boden sorgte Juckel mit einer verpatzten ersten Bahn für den Streichwert. Angeführt von einem erneut glänzenden Hambüchen (15,450) gab sich der Rest der Mannschaft aber keine Blöße und lag nach dem vierten Gerät auf Platz drei. Am Seitpferd zeigte sich Juckel wieder auf der Höhe, ballte nach seiner Übung (14,700) ebenfalls die Faust, während sein "Kumpel" und Lokalmatador Andergassen sich mit einem verpatzten Abgang seiner Finalchance beraubte.
Zum Abschluss turnte die Mannschaft an den Ringen schon im Gefühl der sicheren Qualifikation den Wettbewerb nach Hause – bereits vor dem letzten Turner spitzte erster Sekt und das Publikum skandierte "Finale" . Zugabe für Boy: Mit starken 90,450 Punkten im Sechskampf (10.) sicherte sich der im Frühjahr verletzte Cottbuser einen Platz im Mehrkampf-Finale. Hambüchen erreichte die Finals in Mehrkampf, Sprung und Reck.


"Megageile Atmosphäre"
Andreas Hirsch, Cheftrainer: "Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Ich fühle mich befriedigt und bestätigt. Die Weichen für Peking sind jetzt gestellt."
Philipp Boy, SC Cottbus: "Die Atmosphäre in der Halle war megageil. Das haben wir positiv aufnehmen können. Mit meinem Wettkampf bin ich ganz zufrieden. Er ist aber noch steigerungsfähig."
Robert Juckel, SC Cottbus: "Bei dieser Atmosphäre hat sich einfach keiner getraut, auf die Nase zu fallen. Wir wollen ja hier auch Turnen zeigen und nicht rumstolpern."