Zweifellos, so die Richterin in ihrer Begründung, hätten die beiden Cottbuser mit Mandy Klein (Name geändert) am Tag ihrer Jugendweihe vor zwei Jahren Geschlechtsverkehr gehabt. Zweifellos hätten sie dabei auch Gewalt angewendet. Aber eben nicht zweifelsfrei zu beweisen sei, ob das auch gegen den Willen der damals 14-Jährigen passiert sei. Von Hasseln: „Das reicht nicht für eine Verurteilung wegen Vergewaltigung.“
Staatsanwältin Martina Eberhard fand sich mit dem Freispruch nicht ab. In ihrem langen Plädoyer hatte sie gestern gleich zu Beginn Revision gegen einen möglichen Freispruch angekündigt. „Das war eine knallharte Vergewaltigung“ , sagte sie, „ein Stunden langes Martyrium für das Opfer.“ Gemeinsam hätten die Täter den Willen und den Widerstand der zierlichen Mandy gebrochen. Dabei sei der ältere Rico W., wegen Raub und Körperverletzung vorbestraft, treibende Kraft, der jüngere Alexander F. Mitläufer gewesen. W. solle für sechseinhalb, F. für vier Jahre ins Gefängnis, forderte Martina Eberhard.

Jugendweihe mit Folgen
Der grobe Ablauf dessen, was vor mehr als zwei Jahren passierte, war gestern nicht umstritten: Mandy Klein hatte in Cottbus-Ströbitz ihre Jugendweihe gefeiert, Freundinnen von ihr die beiden Angeklagten zur Party mitgebracht. Der doppelt so alte Rico W. bändelte mit Mandy an. Beide küssten sich. Weil die Jugendlichen nach der Party am Ströbitzer Badesee übernachten wollten, holten sie in der Wohnung von Alexander F. ein Zelt. W. und F. überredeten Mandy hinauf in die Plattenbauwohnung zu kommen. Ihre Freunde warteten vor dem Hauseingang. In der Wohnung zogen die beiden jungen Männer das Mädchen ins Schlafzimmer, entkleideten Mandy und hatten mehr als zwei Stunden Sex mit ihr. Erst als einer der unten mittlerweile Sturm klingelnden Freunde von einem genervten Nachbarn ins Haus gelassen wurde und die Wohnung betrat, ließen die Männer von Mandy ab.

Spuren der Gewalt
Spuren der Gewaltanwendung und der psychischen Wunden waren unübersehbar. Das Mädchen hatte Verletzungen im Intimbereich davongetragen, wochenlang Herpes-Ausschlag im Gesicht. Sie traut sich noch heute kaum vor die Tür.
Dass die Angeklagten ihr die Beine spreizten, dass sie Mandy auch am Hals packten - das räumten sie in den Gerichtsverhandlungen sogar ein. Allerdings - und darauf bauten die Verteidiger gestern ihre Plädoyers auf - habe das Mädchen ihren Widerwillen nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht. Sein Mandant, so einer der Verteidiger, konnte den Eindruck gewinnen, dass es dem Mädchen gefiel.
Das Gericht folgte dieser Argumentation. Viele Begleitumstände der Tat, führte die Richterin aus, würden genauso für wie auch gegen eine Vergewaltigung sprechen: Der Alkohol, der im Spiel war, die lange Dauer des Beischlafs, die Frage Mandys nach einem Kondom. „Es bleiben Zweifel“ , so die Richterin. „Aber die dürfen wir nicht haben, wenn es darum geht zwei Angeklagte mehrere Jahre ins Gefängnis zu schicken.“ Dabei räumte von Hasseln ein, dass eine „Schweinerei“ war, was passiert ist.
Den Eltern war das kein Trost. Mandys Mutter verließ verbittert den Gerichtssaal, noch während die Richterin ihre Begründung vortrug. Alexander F. legte den Kopf in den Nacken und schnaufte erleichtert durch.