Die Stadt Cottbus büßt ihre Kreisfreiheit ein. Entgegen der SPD-Wahlversprechen kündigte am Dienstag Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) an, in der nächsten Legislaturperiode eine deutliche Reduzierung der Zahl der Kreise und kreisfreien Städte ins Auge zu fassen. "Unser Ziel ist es, die Oberzentren zu stärken und die Aufgaben der unteren Landesbehörden weiter zu gewährleisten", sagte er am Rande der Koalitionsgespräche. Bei den kreisfreien Städten "müssen wir zu Veränderungen kommen". Entscheidungen seien aber nicht gefallen. "Wir sind in intensiven Debatten."

Noch bei der Erstellung des SPD-Wahlprogramms hatte Woidke angekündigt, auf eine Kreisgebietsreform vorläufig zu verzichten. Sie käme nur in Betracht, wenn es funktional eine Notwendigkeit gebe, sagte Woidke im Februar. Nötig sei aber eine umfassende Verwaltungsstrukturreform. Zuvor hatte es teils wilde Spekulationen gegeben. Unter anderem wurde vorgeschlagen, die Zahl der Landkreise auf elf und die der Kommunen auf 64 zu reduzieren.

Nun scheint klar, dass mit dem Rückzieher vom Frühjahr lediglich das Thema Kommunalreform aus dem Wahlkampf herausgehalten werden sollte. Wie zu erfahren war, legte Woidke schon in den Sondierungsgesprächen beiden möglichen Koalitionspartnern die Einkreisung der kreisfreien Städte als Ziel für die Legislaturperiode vor. Im RUNDSCHAU-Interview hatte Woidke Ende September erklärt, dass auch der damals noch als möglicher Regierungspartner geltende CDU-Spitzenkandidat Michael Schierack einer Einkreisung von Cottbus zugestimmt habe.