Mitte Oktober führte die RUNDSCHAU mit dem Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, Wolfgang Krüger, ein Interview über Stärken und Schwächen der Lausitz. Krüger hatte geraten, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und mehr für das Image der Region zu tun. Konkret meinte er: Ein besseres Standort-Marketing durchsetzen und eine Willkommenskultur etablieren. Seine Thesen sind Gegenstand der Online-Umfrage gewesen - 157 Leser gaben Antworten.

Defizite beim Image

Tourismus, Bergbau- und Energiewirtschaft sowie klein- und mittelständische Betriebe sind die Herzstücke der Lausitz, sind sich die meisten Leser sicher. Klare Defizite sehen sie bei der Anzahl an Nachwuchskräften, einer zu geringen Industrieansiedlungsquote und dem Image der Region. Die Lausitz werde oft mit Plattenbau, Braunkohle, Staubbelastung oder Rechtsextremismus gleichgesetzt. Hinzu kommen langwierige Genehmigungsverfahren, die mitunter abschreckend sind für potenzielle Investoren. Dass die Lausitz als zu provinziell empfunden wird, sehen die Leser der RUNDSCHAU zweigeteilt. Die Hälfte sagt Ja, die anderen Leser bewerten das nicht so. Erstaunlich ist, dass 60 Prozent der Umfrageteilnehmer die Stadt Cottbus nicht als Oberzentrum der Lausitz empfinden. Einige meinen, Cottbus sei gleichberechtigter Partner zu allen Kreisen in Südbrandenburg und starker Partner innerhalb der Energieregion.

Kritisiert wird, dass sich die Lausitzer oftmals nicht als eine gemeinsame Region auffassen, um in Konkurrenz zu Berlin, Potsdam oder Dresden zu treten.

Um Akademiker langfristig an die Region zu binden, schlagen die Teilnehmer der Umfrage viele Lösungen vor. Topantwort: Image der Region aufpolieren, dicht gefolgt von einer engeren Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Darauf sollte vor allem die neu gegründete BTU Cottbus-Senftenberg ihren Fokus ausrichten, neben einem größeren Praxisbezug in der Forschung.

Nein zu "Hierbleibe-Prämien"

Höhere Gehälter spielen ebenso eine Rolle bei der Überlegung, hierzubleiben oder die Region zu verlassen und - analog der Antwort von Wolfgang Krüger - ein optimiertes Standort-Marketing. Von sogenannten Hierbleibe-Prämien halten die Befragten nichts, lediglich bessere Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden noch vorgeschlagen.

Positiv aufgenommen wurde die im Sommer in Cottbus stattgefundene Industriekonferenz mit Unternehmen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Industrie sowie Vertretern aus Politik und den Kammern. Mehr als 80 Prozent denken, dass ein solches Netzwerktreffen neue Impulse für die Energieregion bringe und fortgeführt werden sollte.

Im Gegensatz zur Kreisgebietsreform, die von der rot-roten Koalition in Brandenburg in Betracht gezogen wird. Zwei Drittel der befragten Leser halten diese Reform nicht für sinnvoll.

Städte wie Cottbus oder Frankfurt (Oder) würden ihre Kreisfreiheit einbüßen, die Anzahl der Kreise würde reduziert und es könnten sich finanzielle Auswirkungen auf alle Beteiligten ergeben. Vom politischen Aktionismus ist die Rede.

Andere hingegen sagen, es komme auf die Art der Umsetzung der Reform an, allerdings nicht um jeden Preis.

Zum Thema:
Das Umfrage-Center hat die LAUSITZER RUNDSCHAU im Internet unter umfrage.lr-online.de gestartet, um mehr über die Gewohnheiten der Lausitzer zu erfahren. So wurden schon 25 Jahre Mauerfall und der FC Energie unter die Lupe genommen. Das Mitmachen ist für Teilnehmer kostenlos. Mit jeder Umfrage können Sie Punkte sammeln und gegen Einkaufs-Gutscheine eintauschen. Registrieren können Sie sich online unter umfrage.lr-online.de