„Die Trainingsbedingungen und Räumlichkeiten in Cottbus sind nicht optimal“, sagte René Enders aus Erfurt, 2008 Dritter bei den Olympischen Spielen in Peking im Teamsprint. Der Polizeimeisteranwärter, einer der Unterzeichner des Briefes, spricht damit vor allem auf die zahlreichen Baumaßnahmen im Cottbuser Sportzentrum an, die in den beiden letzten Jahren die Trainingsbedingungen für Radsportler, Leichtathleten und Judoka deutlich erschwert haben.

Etwas anders sieht es für Ruderer, Kanuten und Sportschützen aus, die bisher nicht die gewünschte Infrastruktur vorfinden und beispielsweise auf der Spree trainieren (müssen). Die Bundespolizei selbst sitzt mit ihren wenigen Cottbuser Diensträumen in einem renovierungsbedürftigen Flachbau.

Millionen investiert

Die infrastrukturellen Rahmenbedingungen zur Umsetzung der Projekt-Inhalte werden durch die Stadt Cottbus mit ihrem Sportstättenbetrieb gefördert. Mehr als 30 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren in das Sportzentrum investiert. Seit zwei Jahren herrscht wieder besonders rege Bautätigkeit. Es entstehen derzeit ein neuer Turnhallenkomplex mit einem Funktionsgebäude und entsprechenden Krafträumen und eine moderne Leichtathletikhalle und dazugehörige Sanitär-, Umkleide- und Trainerräume, die im November 2010 fertiggestellt werden sollen (die RUNDSCHAU berichtete). Nach Ansicht der Stadt Cottbus entstehen somit sehr gute Voraussetzungen, die erfolgreiche Bilanz des Leistungssportprojekts fortzusetzen. „Die Stadt Cottbus und mir persönlich liegt dieses Projekt in Cottbus sehr am Herzen“, schrieb Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) in einem der RUNDSCHAU vorliegenden Brief an den Bundespolizeipräsidenten, Matthias Seeger.

Trotz dieser Investitionen und Maßnahmen sind in den letzten Wochen Mutmaßungen um eine Verlegung des Leistungssportprojektes nicht verstummt. „Konkrete Planungen sind derzeit nicht bekannt. Es gibt Gerüchte. Sowohl Kienbaum als auch Potsdam sind im Gespräch“, erklärte Holger Rupprecht (SPD), Minister für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) in Brandenburg, im Landtag auf eine Anfrage von Jürgen Maresch (Die Linke) und betonte zugleich: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass auch die nächsten Jahre eine Verstetigung in Cottbus erfolgt. Ich glaube, dass ist auch ein wichtiger Beitrag zum Standort Sportstadt Cottbus.“

Ministerium prüft

Jochen Maron, Projekt-Leiter in Cottbus, wollte sich nicht äußern und verwies auf die zu fällende politische Grundsatzentscheidung, um das Projekt dauerhaft zu verstetigen. Ein Ende dieses Status wird im verantwortlichen Bundesinnenministerium, das im bayerischen Bad Endorf ein Pendant für die Wintersportarten unterhält, erneut bewertet.

„Im Ergebnis einer vom Deutschen Olympischen Sportbund vorgenommenen Bewertung der in Cottbus vorhandenen sportfachlichen Rahmenbedingungen wird derzeit geprüft, welche Möglichkeiten bestehen, um das Bundesleistungssportprojekt dauerhaft erfolgreich gestalten zu können“, teilte Ole Schröder, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, mit. „Darin eingeschlossen sind auch Überlegungen, gegebenenfalls eine Standortverlagerung innerhalb des Olympiastützpunktes Brandenburg vorzunehmen.“