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Comeback des verlorenen Sohnes

Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg spricht im September 2016 in Berlin bei der Konferenz der Alfred-Herrhausen Gesellschaft zum Thema "Denk ich an Deutschland. Deutschland 2025 – Haben wir's geschafft?".
Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg spricht im September 2016 in Berlin bei der Konferenz der Alfred-Herrhausen Gesellschaft zum Thema "Denk ich an Deutschland. Deutschland 2025 – Haben wir's geschafft?". FOTO: dpa
Berlin. Muss sie sich Sorgen machen? Emmi Zeulner bleibt gelassen. "Seine Unterstützung ist ein gutes Signal für die Union", sagt die 30-Jährige CSU-Bundestagsabgeordnete der RUNDSCHAU. Hagen Strauß

Vor vier Jahren übernahm sie den Wahlkreis Kulmbach vom gefallenen CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg und gewann gleich das Direktmandat.

Ausgerechnet in der alten, oberfränkischen Markgrafenstadt startet Guttenberg nun sein politisches Comeback. Zumindest hoffen das viele Christsoziale.

Emmi Zeulner gehört auch dazu: "Er ist ein brillanter Redner und Gesprächspartner, gerade, was außenpolitische Themen angeht." Am Mittwoch kommender Woche ist es so weit: Erstmals seit dem Rücktritt 2011 wegen seiner gefälschten Doktorarbeit wird der frühere Wirtschafts- und Verteidigungsminister wieder öffentlich in seinem Heimatlandkreis Kulmbach sprechen. Zum Auftakt seiner Wahlkampf-Tour für die CSU werden am Abend mehr als 1000 Besucher in der hiesigen Stadthalle erwartet. Acht weitere Auftritte in ganz Bayern sind geplant.

Aber der Freiherr tingelt nicht nur von Ort zu Ort: Am 4. September ist "KT", wie er genannt wird, sogar einer der CSU-Hauptredner beim politischen Montag am Gillamoos-Jahrmarkt in Abensberg. Zu diesem berühmten politischen Schlagabtausch entsenden die Parteien eigentlich nur ihre Hochkaräter, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wird da sein, auch Christian Lindner von der FDP. Und eben der frühere Shootingstar der deutschen Politik.

Ein Zeichen für die Rückkehr des verlorenen CSU-Sohnes? "Ich bin dieses Jahr gerne bereit, meine Partei bei Wahlkampfthemen zu unterstützen, mich in Debatten einzubringen", hatte Guttenberg sein Engagement im Wahlkampf angekündigt, nachdem er sich mit Parteichef Horst Seehofer vor Monaten mal konspirativ getroffen hatte. Guttenberg sei eben eine "starke und begabte Persönlichkeit", lobte der CSU-Vorsitzende seinen früheren Ziehsohn. "Ich würde es begrüßen, wenn er sich wieder Schritt für Schritt bei uns einfädeln würde." Ob Guttenberg tatsächlich wieder eine feste Größe in der Partei werden wird, lässt man bei der CSU offen. Aber Seehofer sucht nach neuen Köpfen, auch aus innerparteilichen Gründen: Er ist Gegner des bayerischen Finanzministers Markus Söder, der die Nachfolge des Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden anstrebt. Auch um Söder zu verhindern, entschied sich Seehofer, für die Landtagswahl 2018 erneut als Regierungschef zu kandidieren und die Partei weiter zu führen. Aber irgendwann muss ein Nachfolger her. Also vielleicht doch Guttenberg?

Dafür müsste der Freiherr allerdings mit einem schönen Posten ausgestattet werden. In der CSU will niemand darüber spekulieren, welcher das sein könnte. Allerdings soll der 45-Jährige im Wahlkampf zunächst einmal das Vakuum der Christsozialen in der Außen- und Sicherheitspolitik füllen. Nach der Plagiatsaffäre 2011 verschwand Guttenberg komplett von der politischen Bühne und zog mit seiner Familie in die USA. In New York gründete er eine Agentur für strategische Beratung in Sicherheitsfragen. Guttenberg baute so in den vergangenen Jahren viele Kontakte zu wichtigen internationalen Persönlichkeiten auf.

Gleichwohl muss der Weg zurück in die Politik gut überlegt sein. Für Guttenberg stellen sich Fragen: Mögen mich die Leute immer noch? Oder wieder? Kann ich noch ein Festzelt in Wallung bringen, was man in Bayern können muss? Kulmbach könnte da für ihn ein erster Testlauf werden. "Die Entscheidung, ob er in die deutsche Politik zurückkommt, kann er nur persönlich beantworten", sagt Emmi Zeulner.