Banjo Max ist Mitglied einer der ungewöhnlichsten humanitären Hilfsorganisationen: der 1993 in Spanien gegründeten "Clowns ohne Grenzen" (CWB), die heute ein knappes Dutzend nationale Ableger hat. In Krisen- und Kriegsgebieten spielen sie weltweit vor traumatisierten Kindern; versuchen, ihnen mit Spielen, Liedern und Sketchen bei der Genesung zu helfen, sie aufzumuntern und ein bisschen Farbe in den grauen Alltag zu bringen.
Heute ist der südafrikanische Clown Banjo Max, der mit bürgerlichem Namen Jamie McLaren Lachman heißt, mit seinen Kolleginnen Sibongile Tsoanyane (Nkgono) und Delia Meyer (Fwing) im Königreich Lesotho. In einem Heim des abgelegenen Bezirks Malealea wollen sie die Aids-Waisen im Thusang Bakuli-Zentrum für einige Stunden ihr Schicksal vergessen lassen. Gut 35 Prozent der Erwachsenen sollen hier mit dem tödlichen Immunschwäche-Virus infiziert sein - eine der weltweit höchsten Raten.
Mit Gestik und Mimik drücken die Clowns Gefühle aus: Freude, Erregung und Trauer. "Wir beginnen normalerweise mit einem Lied und einer einfachen Routine wie Seifenblasen, etwas Burleskem", sagt Banjo Max. Das Eis ist schnell gebrochen, ein erstes Lächeln huscht vor allem bei den Slapstick-Einlagen über die Gesichter der Kinder. Gekicher, als sich die Clowns im Dialekt versuchen.
Sie sind Farbtupfer im eintönigen Alltag und versuchen, die Waisen mit Zaubertricks, Spielen und Akrobatik etwas von Schmerzen und Ängsten abzulenken. In Malealea sind sie zum vierten Mal. "Wir versuchen, möglichst oft wiederzukommen", meint Lachman, der im Ärztekittel einen etwas verknöcherten Doktor mimt. Nur mit Decken und Mützen gegen die bittere Kälte des Süd-Winters gewappnet, hatte sein Publikum fast den ganzen Tag auf die mobile Klinik und die Clowns gewartet, die mit den "Ärzten ohne Grenzen" zusammenarbeiten.
Der New Yorker Clown Michael Christensen hatte 1986 eine ähnliche Form der Therapie für die heute international akzeptierten Klinik-Clowns ins Leben gerufen. Sieben Jahre später gründete der Spanier Tortell Patrona dann in Barcelona seine "Clowns ohne Grenzen", die zunächst nur auf dem Balkan aktiv waren. Drei Jahre später folgte ein Ableger in den USA, vergangenes Jahr in Südafrika. Die Philosophie ist simpel und erfolgreich. Die Späße bringen Kinder zum Lachen - und "Lachen ist gesund", weiß schon der Volksmund.
Oft werden auch die Pflegekräfte eingebunden in Rollenspiele, etwa, wenn es um Aids-Aufklärung geht. Lachman gesteht, dass das nicht immer einfach ist: "Sie sind oft selbst krank, sie frieren und kümmern sich um Kinder, die gar nicht ihre eigenen sind." Seit der CWB-Gründung schlüpften die südafrikanischen Clowns - oft mit ausländischen Kollegen - mehr als 85-mal in ihre Rolle und erfreuten 40 000 Menschen. Ein Problem der jungen Organisation ist die Finanzierung. Meist sind es Einzelspenden, gelegentlich kommen auch Firmenspenden.
Mehr zur Weltaidskonferenz in Mexiko-Stadt finden Sie unter: www.lr-online.de/aids