Erste Vorwürfe 2008: Im April 2008 wurde ein 19-jähriger Bewohner der "Haasenburg" vom Landgericht Cottbus wegen versuchten Mordes im Zustand dauerhafter Schuldunfähigkeit in die geschlossene Psychiatrie geschickt. Der junge Mann mit Kannibalismus-Fantasien hatte Betreuer angegriffen. Im Urteil wurden der "Haasenburg" schwere fachliche Fehler im Umgang mit dem Jugendlichen vorgeworfen. Im Oktober 2008 veröffentlicht das Landesjugendamt einen Prüfbericht, wonach alle Vorwürfe unbegründet gewesen seien.

Ermittlungen eingestellt: Von etwa 2005 bis 2010 führt die Staatsanwaltschaft Cottbus sieben Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlicher Misshandlungen oder sexueller Übergriffe gegen Mitarbeiter der "Haasenburg". Alle Verfahren werden eingestellt, weil sich die erhobenen Vorwürfe nicht nachweisen ließen. In einem Fall muss sich der Anzeigenerstatter später wegen falscher Verdächtigungen selbst vor Gericht verantworten, weil seine Angaben erfunden waren. Untersucht wurden auch zwei Todesfälle 2005 und 2008 in der "Haasenburg". Ein Fremdverschulden wurde nicht festgestellt.

Neue Vorwürfe 2010: Im Jahr 2010 häufen sich beim Landesjugendamt Beschwerden über die Erziehungsmaßnahmen unter anderem über mangelnde Privatsphäre der Heimbewohner. Außerdem kommen Hinweise aus der Belegschaft über einen Mangel an Personal und fehlende Qualifikation. Anstaltskleidung und anlasslose Postkontrollen werden daraufhin ebenso abgeschafft wie die Fixierliegen. Zwei Gruppen im Heim Jessern werden wegen Personalmangels vorübergehend geschlossen.

Ermittlungen 2013: Die Staatsanwaltschaft Cottbus prüft erneut die beiden Todesfälle aus 2005 und 2008. Sie ermittelt außerdem wegen mindestens drei Anzeigen ehemaliger Heimbewohner und vier Anzeigen Dritter, die kein eigenes Erleben schildern, sondern sich nur auf Presseberichte beziehen. Einen der Anzeigenerstatter haben Erzieher der "Haasenburg" ihrerseits wegen Beleidigung angezeigt. Fast alle strittigen Vorfälle liegen in den Jahren vor 2011.