Am späten Nachmittag hat ihn doch noch wer erkannt. Als Sachsens Premier vor dem römischen Senatspalast wieder ins Auto steigt, kommt eine deutsche Urlauberkolonne vorbei. "Das ist doch . . . der Präsident", sagt eine Frau. Ganz falsch liegt sie nicht. Als frisch gekürter Präsident des Bundesrats führt einer der ersten Wege Stanislaw Tillich (CDU) nach Rom. Eine Privataudienz beim Papst - geplant für heute - dauert aber nur eine halbe Stunde. Bleibt noch genug Zeit für profane Missionen. Die wichtigste lautet, Verbündete zu finden in der Flüchtlingskrise.

Das Italien, das Tillich in diesem Herbst besucht, steckt mitten in einer gewaltigen Polit-Reform. Damit will der neue Premierminister Matteo Renzi das Land nach der Stagnation der Berlusconi-Jahre wieder auf Kurs bringen. Strukturen straffen, Arbeitsplätze schaffen, Geld sparen. Da lohne der Blick nach Sachsen, sagt ein italienischer Parlamentarier schwer beeindruckt. Das Land im Osten, "das am schnellsten zu Wachstum gefunden hat". Damit ist gleich die Tür auf für wirtschaftliche Gespräche.

Tillich will eine Allianz für die Stärkung der Mikroelektronik-Branche schmieden. "Jeder für sich ist zu klein, um gegenüber Asien und Amerika bestehen zu können", ist Tillich überzeugt. Die Chance liegt im Gemeinsamen. Die Vorsitzende der Italienisch-Deutschen Abgeordnetengruppe, Laura Garavini, reagiert am Vormittag noch verhalten. Am Nachmittag wird es konkreter. Mit der Region Lazio, einer der dynamischen Regionen Italiens, gelingt den Sachsen ein Abkommen. Noch vor Weihnachten wollen Expertengruppen beider Seiten zusammentreffen. Halbleiterhersteller, Kommunikationsindustrie und Mikroelektronik sollen italienisch-sächsische Bande knüpfen.

Ansonsten dient die Reise dem Nachlegen alter Feuerstellen. Tillich frischt seine italienischen EU-Kontakte wieder auf. Er vertieft die Beziehungen, die er beim Besuch im Februar angebahnt hat. Und verbreitet ansonsten viel sächsische Wärme.

Volles Haus am Dienstagabend in der Kirche Santa Maria dell'Anima, wo der Kreuzchor sang. Gute Laune in der Residenz der Deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan.

Tillich kommt nicht mit leeren Händen nach Rom. Er verschenkt Meissener Tellerchen, Herrnhuter Sterne, Füller von Diplomat und Dresdner Stollen. Über das größte Präsent aus Sachsen kann sich Vatikan-Botschafterin Schavan freuen. Im Herrenzimmer ihrer Residenz hängt jetzt ein Gemälde vom Dresdner Neumarkt mit Frauenkirche. Hat ihr Tillich mal versprochen, jetzt mitgebracht. "Der Stanislaw hält, was er verspricht", sagt sie.