Die Regierung in Paris sei "bereit zum Dialog", dieser müsse nun "so schnell wie möglich" beginnen. Beim nationalen Protesttag heute sollten die Beteiligten "Verantwortungsbewusstsein" zeigen, sagte Chirac.
Am Donnerstag hatten landesweit mindestens 250 000 Menschen friedlich gegen den Erstanstellungsvertrag demonstriert. Am Abend kam es dann zu Krawallen vor allem nahe der Sorbonne-Universität im Pariser Quartier Latin. Innenminister Nicolas Sarkozy sagte, die Randalierer seien keine "echten Demonstranten" gewesen, die gegen die Reform protestieren wollten.

Mehr als 300 Festnahmen
Die Ausschreitungen am Pariser Platz der Sorbonne mit mehreren hundert Beteiligten begannen nach einer Kundgebung. Bereitschaftspolizisten wurden mit Brandsätzen beworfen, Autos umgestürzt und in Brand gesteckt. Mehrere Cafés wurden beschädigt, eine Buchhandlung geplündert und in Brand gesteckt. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.
Einer Bilanz von gestern zufolge wurden 92 Beamte und 18 Demonstranten verletzt und mussten teils in Krankenhäusern behandelt werden. Am späten Abend beruhigte sich die Lage wieder. Auch in anderen Städten kam es zu Ausschreitungen. Allein in Paris wurden 187 mutmaßliche Unruhestifter festgenommen; Sarkozy sprach von landesweit mehr als 300 Festnahmen.
"Das sind Kriminelle, Gauner, die hyper-gewalttätig sind", sagte der Pariser Polizeichef Pierre Mütz im RTL-Radio. Es handele sich um "Autonome und Anarchisten, die Polizisten angreifen wollen und die darauf abzielen, dass die Demonstrationen ausarten".

Villepin signalisiert Einlenken
Die seit Wochen anhaltenden friedlichen Proteste gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufseinsteiger in Frankreich sollen heute in die bislang größten Kundgebungen münden. Die Veranstalter hoffen eigenen Angaben zufolge landesweit auf eine Million Teilnehmer. Regierungschef Dominique de Villepin soll nach einem Bericht der Wochenzeitung "Le Canard Enchaîné" vor Vertrauten zugegeben haben, sein Vorhaben sei "unmöglich zu halten", wenn 1,5 Millionen Menschen demonstrierten. (AFP/ta)

Zum Thema Reform-Ablehnung
 Gut zwei Drittel der Franzosen verlangen von ihrer Regierung die Rücknahme des umstrittenen Gesetzes. In einer gestern veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CSA forderten 68 Prozent den Verzicht auf die Regelung. Damit stieg der Anteil der Gegner im Vergleich zur vergangenen Woche um 13 Prozentpunkte.