Der Regierungschef zeigte sich ganz begeistert, dass Clinton mit einem Zitat aus dem Buch des Strategen Sunzi über die "Kunst des Krieges" das Motto für die neue Kooperation vorgegeben hatte: "Wer gemeinsam in einem Boot sitzt, sollte den Fluss friedlich überqueren."Im Sturm sicher ans UferIhr Hinweis, dass China und die USA in der Wirtschaftskrise und beim Klimawandel ihrem gemeinsamen Schicksal nicht entkommen können, ist einer Erzählung in dem Klassiker entliehen, die in der antiken Periode der "kriegführenden Staaten" spielte. Es wird erzählt, wie Soldaten der verfeindeten Staaten Wu und Yue sich in einem Boot wiederfinden und ihre Waffen niederlegen, um im Sturm sicher ans Ufer zu kommen. Wen Jiabao sah großzügig darüber hinweg, dass am Ende die Yue doch noch die Wu besiegt haben, und ergänzte ein anderes Zitat über "Fortschritte, die Hand in Hand gemacht werden"."Hoch erfreut" zeigte sich Staats- und Parteichef Hu Jintao, dass die neue Außenministerin mit der Tradition ihrer Vorgänger gebrochen hat und statt nach Europa als erstes nach Asien und eben China gekommen ist. Nichts weniger als eine "neue Ära" sucht Clinton. Ohne die Kooperation der drittgrößten Wirtschaftsmacht ist weder die Finanzkrise zu bewältigen noch die Erderwärmung. "Man muss den Brunnen graben, bevor man durstig wird", bemühte Clinton ein weiteres Sprichwort. Ihre leisen Töne demonstrieren die Wandlung von "Xilali", wie sie auf Chinesisch nur mit ihrem Vornamen Hillary genannt wird, zur neuen Chefdiplomatin. "Ich werde China die Stirn bieten" oder "aggressiv gegen China vorgehen", hatte sie als Präsidentschaftsbewerberin noch gewettert. "Das war eine andere Zeit damals und wir standen nicht vor einer derart schwierigen Situation wie heute", sagt Clinton jetzt.Weit weg von 1995er-RedeWie der Pragmatismus des Amtes den Idealismus verdrängt, zeigten auch ihre Äußerungen, dass Menschenrechte, Tibet und Taiwan die Kooperation mit China in der Wirtschaftskrise, im Klimaschutz und bei Sicherheitsfragen "nicht beeinträchtigen" sollten. Damit entfernt sich Clinton ziemlich weit von ihrer Rede 1995 als Leiterin der US-Delegation bei der Weltfrauenkonferenz in Peking: "Freiheit bedeutet, Bürger nicht von ihren Lieben wegzuholen, einzusperren oder ihnen die Freiheit und die Würde zu verweigern, weil sie friedlich ihre Ideen und Ansichten geäußert haben." Dieses Schicksal erfährt die Frau des inhaftierten Bürgerrechtlers Hu Jia aber heute noch genauso - mehr als 14 Jahre später.