Dabei spielte es keine Rolle, dass bei der Erläuterung des Programms zentrale Fragen offen blieben, die Premierminister Wen Jiabao auch am Freitag nicht beantwortete. So bleibt unklar, wie das Geld zusammenkommen soll. Denn die Regierung hat angekündigt, nur 136 Milliarden Euro aus der Staatskasse beizutragen. Der Rest soll aus den Provinzen und dem Bankensektor fließen. Wen macht dazu seine eigene Rechnung auf: "Wichtiger als Geld und Gold ist die Zuversicht, dass wir aus dieser Krise herauskommen." Ein positiver Effekt der dezentralen Finanzierung ist, dass weniger Geld auf den bürokratischen Pfaden in den Provinzen versickern kann. Eine Gruppe alter Mitglieder der Kommunistischen Partei hatte in einem offenen Brief an die Regierung vor Vetternwirtschaft gewarnt. "Wir sind außerordentlich besorgt, dass die Privilegierten und Korrupten diese Gelegenheit nutzen werden, sich selbst zu mästen", hieß es in dem Schreiben. Keinen Zweifel hingegen ließ der Premierminister an der neuen Rolle Chinas als Großmacht in der Welt. Selbstbewusst gönnte er sich einen Seitenhieb in Richtung Vereinigte Staaten. China ist der größte Gläubiger der USA. Das Reich der Mitte besitzt Staatsanleihen im Wert von rund 700 Milliarden Dollar. "Ich bin besorgt über die Sicherheit unserer Anlagen. Ich hoffe, die USA erweisen sich als eine zuverlässige Nation", sagte Wen. Pro EntwicklungsländerNur wenig später forderte er den Internationalen Währungsfonds zu mehr Zugeständnissen an die Entwicklungsländer auf. China zählt trotz seiner Währungsreserven von knapp 2000 Milliarden US-Dollar zu den Entwicklungsländern. Die Wahrnehmung im Ausland ist längst eine andere, weswegen es immer wieder Beschwerden gibt, China würde seine Währung künstlich auf niedrigem Niveau halten, um Exportware günstig zu gestalten. Doch auch hier tritt Wen Jiabao selbstbewusst auf: "Kein Land ist in der Position, uns zu einer Auf- oder Abwertung unserer Währung zu drängen." Tibet-Politik verteidigtWas für die eigene Währung gilt, das gilt für innenpolitische Angelegenheiten schon lange. Wenige Tage nach dem 50. Jahrestag der tibetischen Aufstände unterstrich der Premierminister die Entschlossenheit, mit der China seine Version von der Besetzung Tibets aufrecht erhalten wird. Den Dalai Lama bezichtigte er abermals als Lügner und Separatist, der die Unabhängigkeit der Provinz anstrebe. Eigene Fehler in der Tibet-Frage sah er nicht. "Friede und Stabilität in Tibet beweisen, dass unsere Politik richtig ist."