November 2008 in Peking hingerichtet. Erschossen, weil er "Staatsgeheimnisse" an Taiwan verraten haben soll. Am Tag vor der Hinrichtung durfte er noch einmal seine Angehörigen sehen. Davon, dass er nur noch wenige Stunden zu leben hatte, sagte man Wo Weihan und seiner Familie nach deren Angaben nichts. Der Fall löste international Empörung aus. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation amnesty international war der Biochemiker nur einer von mindestens 1718 Menschen, die im vorigen Jahr in China hingerichtet wurden. Damit vollstreckte die Volksrepublik wieder mehr Todesurteile als jeder andere Staat. Die Hoffnung, dass die Vergabe der Olympischen Spiele an Peking etwas daran ändern könnte, erfüllte sich nicht.Dem amnesty-Bericht zufolge verdreifachte sich die Zahl der bekannt gewordenen Hinrichtungen im Olympiajahr sogar (2007: mindestens 470). Damit trägt China auch die Verantwortung dafür, dass sich die Zahl der weltweit registrierten Hinrichtungen 2008 fast verdoppelte - auf mindestens 2390. Die Volksrepublik, so amnesty, sei auch 2008 "grausamer Weltmeister" der Todesstrafe geblieben.Auf China folgen in der Statistik der Iran (mindestens 346 Exekutionen), Saudi-Arabien, Pakistan und die USA. Als einziges Land in Europa ließ Weißrussland vier Menschen töten. Zugleich wurden in 52 Ländern mindestens 8864 Männer und Frauen zum Tode verurteilt. In 138 Staaten dagegen ist die Todesstrafe abgeschafft oder wird nicht mehr vollstreckt.Die letzte Wahrheit ist die jährliche Statistik von amnesty international allerdings nicht - gerade was China betrifft. "Die tatsächliche Zahl der Hinrichtungen liegt dort vermutlich um ein Vielfaches höher", sagt amnesty-Experte Oliver Hendrich. Die Menschenrechtsgruppe Dui Hua vermutet, dass in dem Land pro Jahr mindestens 5000 Menschen exekutiert werden. Andere Schätzungen reichen bis zu 10 000. Offizielle Zahlen gab es noch nie. Dass im Olympiajahr wieder mehr Exekutionen bekannt wurden, verwundert auch Experten. Zumal seit 2007 ein Gesetz in Kraft ist, wonach Todesurteile, die in der Provinz verhängt wurden, in Peking überprüft werden müssen. "Möglicherweise hängt der Anstieg damit zusammen, dass vor der Olympiade aus Rücksicht auf die internationale Meinung weniger hingerichtet wurde", sagt Hendrich. "Kann sein, dass es einen Olympia-Effekt gab, der jetzt wieder dahin ist."