Die einen weinen vor Zorn über den Tod ihrer Angehörigen, der nun ungesühnt bleibt, die anderen weinen um den "Retter des Vaterlandes" vor dem Kommunismus. In seinen letzten Lebensjahren verblasste Pinochets Stern jedoch. Selbst seine ehemaligen Bewunderer waren durch die Winkelzüge zur Umgehung der Justiz, immer neue Einzelheiten über sein Terrorregime und vor allem über die Affäre um Dollarmillionen auf US-Konten und den Vorwurf der Unterschlagung ernüchtert.
Nachdem Pinochet 2002 wegen Altersdemenz zunächst für verhandlungsunfähig erklärt worden war, verhöhnte er die Opfer seiner Diktatur in Interviews. Die sollten sich mal lieber bei ihm entschuldigen, meinte er einmal. Privat soll Pinochet charmant geplaudert und seine Gäste humorvoll unterhalten haben. Chile aber hielt der General, der sich früher gern hinter einer dunklen Sonnenbrille verbarg, 17 Jahre im eisernen Griff.

Putsch im September 1973
Der sozialistische Präsident Salvador Allende starb beim Militärputsch am 13. September 1973. Bis zum Ende der Diktatur 1990 wurden etwa 3200 Menschen getötet, mindestens 28 000 Menschen hinter Gitter gebracht und gefoltert sowie Hunderttausende ins Exil getrieben. Die Täter wussten, dass sie Verbrechen begingen, sie ließen ihre Opfer im Meer, in Vulkankratern und in anonymen Gräbern verschwinden. Und dass diese Verbrechen von ganz oben angeordnet und nicht Exzesse einiger Untergebener waren, räumen inzwischen sogar Militärs ein.
Der Terror ging jedoch Hand in Hand mit der Umwandlung des Landes. Gleich nach dem Putsch begannen junge, in den USA ausgebildete Wirtschaftsexperten, neoliberale Wirtschaftsreformen in die Tat umzusetzen, die ohne die Bajonette der Militärs kaum möglich gewesen wären. Die Wirtschaft Chiles wurde nach einigen Krisen und Kurskorrekturen zur fortschrittlichsten des Subkontinents. Aber auch die Schere zwischen Arm und Reich öffnete sich unter Pinochet weiter.
Augusto Pinochet kam am 25. November 1915 in Valparaiso zur Welt. Nach der Schule schlug er die Militärlaufbahn ein. Mit 21 wurde er Leutnant und dozierte an der Kriegsakademie Geopolitik und Militärgeographie. 1973 machte ihn dann ausgerechnet Allende kurz vor dem Umsturz im September zum Heereschef. Nur Tage später putschte Pinochet.

Hausarrest in London
Nach einem verlorenen Referendum machte Pinochet 1990 dem Christdemokraten Patricio Aylwin Platz auf dem Präsidentensessel. An eine strafrechtliche Verfolgung Pinochets und anderer Militärs war aber nicht zu denken. Das änderte sich erst, als der greise General im Oktober 1998 in London auf Betreiben der spanischen Justiz festgesetzt wurde, die ihm Völkermord, Terrorismus und Folter vorwarf. Erst nach eineinhalb Jahren Hausarrest konnte Pinochet in die Heimat zurückkehren.
Aber auch dort rückte ihm die Justiz nun zu Leibe. Nur durch die "Hintertür" des Altersschwachsinns konnte er zweimal, als ein Verfahren vermutlich noch möglich gewesen wäre, einem Strafprozess entgehen. Als bekannt wurde, dass er danach noch Dollar-Millionen dubiosen Ursprungs auf Konten hin- und hergeschoben hatte, wurde er doch wieder für verhandlungsfähig erklärt und stand zuletzt in vier verschiedenen Strafverfahren unter Anklage und Hausarrest. Nach seinem Tod werden die Strafakten Pinochets nun für immer geschlossen. Ob er seinem Volk langfristig als Albtraum oder als Modernisierer in Erinnerung bleiben wird, ist offen. Aber für eine Entschuldigung bei den Opfern ist es jetzt für immer zu spät.