Eine Forschergruppe der Technischen Universität Chemnitz hat mit "TroveSketch" ein nach eigenen Angaben weltweit einmaliges Programm entwickelt, mit dem Funde aus der Vorzeit in rasender Geschwindigkeit dokumentiert werden können. "Darauf haben Archäologen seit Jahrzehnten gewartet", sagt Florian Innerhofer vom Sächsischen Landesamt für Archäologie. Zusammen mit den Archäologen in Dresden haben die Chemnitzer das System entwickelt. Ein Prototyp erregt bereits großes Interesse von Fachleuten aus ganz Europa. Anfang kommenden Jahres soll die Vermarktung beginnen.
Bislang war die Dokumentation von Funden sehr aufwendig und teuer. "Sie mussten per Hand abgezeichnet und rekonstruiert werden, das dauerte Stunden, manchmal sogar Tage", sagt Christian Hörr, einer der Forscher. Angesichts von 750 000 Fundstücken pro Jahr allein in Sachsen ist das eine nicht zu bewältigende Mammut-Aufgabe. Zudem wichen die Zeichnungen auf Grund unterschiedlicher Wahrnehmungen und Stile von Zeichner zu Zeichner voneinander ab. Das erschwerte Vergleiche.
Das neue Programm kennt diese Schwachstellen nicht. Beim Prototyp werden die Fundstücke in einem Labor im Dresdner Landesamt mit Hilfe eines 40 000 Euro teuren 3D-Laserscanners in Farbe zunächst digitalisiert. Das dauert je nach Objekt nur noch bis zu 20 Minuten. Anschließend vermisst die Software das Fundstück virtuell und legt es in einer Datenbank ab. So erschaffen die Informatiker eine "doppelte Realität": Das Originalobjekt wird in eine Datei "dupliziert" und kann so über das Internet jedermann verfügbar gemacht werden.
Setzt sich das System durch, könnten Funde wegen der einheitlichen Standards weltweit verglichen werden. Innerhalb kürzester Zeit sei das Programm auch von Fachfremden zu bedienen, sagt der Chemnitzer Informatikprofessor Guido Brunnet: "Ganz im Gegensatz zum Zeichnen und Skizzieren, wo Erfahrung und Talent eine große Rolle spielen."
Auch bei der weiteren Kategorisierung von Funden hilft das System. Das konventionelle Vermessen mit Kreisscheibe und Lineal ist nicht mehr nötig. In einem weiteren Schritt haben die Chemnitzer Informatiker die neue Dokumentationssoftware so weit verfeinert, dass sie nun auf Knopfdruck fehlende Teile von Fundstücken rekonstruiert.