Beim einstigen Mitbewerber Chemnitz hat sich der Landesvater unlängst bedankt, "dass die Chemnitzer bei der Stange geblieben sind, auch wenn sich das Konzept zu ihren Ungunsten entwickelt hat."
Die vor zwei Jahren ach so euphorische Viereinigkeit von Leipzig, Riesa, Dresden und Chemnitz werten viele Chemnitzer heute als ein Zweckbündnis von Anfang an. Die Ernüchterung kam bereits im November 2002, als nach NOK-Begutachtung eine detailliertere Planung vorgelegt wurde und Chemnitz noch vor Riesa "draußen" war.
Nun ist mit der Auflösung der Leipzig, Freistaat Sachsen und Partnerstädte GmbH auch ein offizieller Schlussstrich gezogen worden. "Für uns ist die Beteiligung an der Olympiabewerbung beendet", sagt der Chemnitzer Kämmerer Detlef Nonnen. In den Jahren 2001 und 2002 flossen insgesamt 210 000 Euro aus der Stadtkasse in die GmbH.
Während der Aktionskreis "Chemnitzer Wirtschaft für Olympia" mangelnde Resonanz aus Leipzig hinsichtlich Mitarbeit an Planungen oder Infrastrukturaufträgen beklagt, hat Sportamtsleiter Jürgen Gommlich die Hoffnung auf ein Stück vom olympischen Kuchen noch nicht aufgegeben: "Wir stehen weiter bereit, Trainingsplätze und Möglichkeiten für die Akklimatisierung ausländischer Sportler anzubieten. Doch es gibt keine konkreten Aussagen aus Leipzig, wie man uns einbinden würde." Gommlich verweist zudem auf das olympische Jugendlager, für das Chemnitz von Anfang an im Gespräch ist. Das Studentenwerk Chemnitz-Zwickau würde dafür auf dem Campus der Technischen Universität "2012 Betten für 2012" zur Verfügung stellen. Außerdem wird mit regelmäßigen Olympia-Essen und Aktionstagen zu verschiedenen Ländern in der Mensa das Thema am köcheln gehalten.
Für den Bürgerverein Pro Olympia Chemnitz verbietet sich Pessimismus von selbst, obwohl das ursprüngliche Ziel nicht mehr auf der Tagesordnung steht. Dass der olympische Geist weiterhin vorhanden sei, spüre der Verein bei seinem Projekt "Top Ten Juniorteam", sagt Schatzmeister Markus Michalow. Dabei werden angesichts sinkender staatlicher Sportförderung aussichtsreichen Nachwuchsathleten erfolgreiche Leistungssportler als Paten zur Seite gestellt und finanzielle Unterstützung gewährt. Ohne Begeisterung für die Sache fänden sich keine Sponsoren, sagt Michalow, aber das Gegenteil sei der Fall. Die 19-jährige Leichtathletin Jana Neubert habe vielleicht sogar Aussicht auf einen Startplatz bei Olympia 2004 in Athen. Laut Michalow hat sich der Umgang der Leipziger Olympia-Bewerbergesellschaft unter Geschäftsführer Mike de Vries mit dem Bürgerverein deutlich verbessert. In dieser Woche gab es erste Gespräche über Aktionen. Bevor das IOC am 18. Mai die Entscheidung über die Kandidaten fällt, soll auch in Chemnitz noch einmal richtig für Olympia getrommelt werden. Prominenter Werber ist am Sonntag der Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD). Er hält den ersten Vortrag der Chemnitzer Sonntagsuniversität zum Thema "Olympia 2012 als nationale Aufgabe".