Jetzt bin ich überwältigt“, sagt die 28-Jährige nach dem Auftakt am Sonntag und fügt hinzu: „Hoffentlich sind viele Atheisten darunter.“ Etwa 6400 Menschen kamen bereits zum ersten Gottesdienst dieser überkonfessionellen Veranstaltung, die noch bis zum kommenden Sonntag andauern wird.

Mandy Bauer hat bereits vor drei Jahren die Übertragung der Evangelisationswoche aus München miterlebt. Danach habe sie sich erst so richtig zu Gott bekennen können und wollte einmal live dabei sein. „Hier fühle ich mich unter Gleichen. Ich werde meinen Kollegen auf der Arbeit davon erzählen und versuchen, jeden Tag wieder zu kommen“, sagt die junge Frau.

Chemnitz ist nach Leipzig 1995 erst die zweite ostdeutsche Stadt, in der die Evangelisationswoche stattfindet. Ein gewisses Wagnis in einer Region, in der zwei Drittel der Menschen nichts mit Kirche zu tun haben, wie Pfarrer Ulrich Parzany vor der Veranstaltung einräumt. Parzany, bis 2005 Generalsekretär des Christlichen Vereins Junger Menschen Deutschland, ist Hauptakteur aller acht Abende.

Diese Abende werden an rund 1300 Orten in Deutschland und 17 weiteren Ländern übertragen, simultan in acht Sprachen und für Gehörlose mittels Gebärdensprache übersetzt. Der „ProChrist“ e.V. spricht vom größten Gottesdienst Europas und der größten Laienveranstaltung nach dem Evangelischen Kirchentag.

Anders als bei den seit Jahrhunderten festgeschriebenen Ritualen in der Kirche singt bei dieser Veranstaltung ein 200-köpfiger Chor moderne Lieder mit Texteinblendung per Videowand, musikalisch begleitet von Streichern, Combo und Rockband. Jeden Abend sollen Künstler auftreten, die christliche Botschaften in Schlager, kurze Theaterszenen oder auch Pantomime verpacken.

Auch Seelsorger kümmern sich um die Besucher des Treffens. So zum Beispiel auch Christian Weißbach aus Amtsberg im Erzgebirge. Er gehört zu den eigens ausgebildeten Laien, die für Gespräche nach den Gottesdiensten bereitstehen. „Dass die Halle voll war, hat mich zum Staunen gebracht“, sagt er nach dem ersten Abend. Der Bedarf an der angebotenen seelischen Hilfe jedoch war gering. Am ersten Abend hatte ihn noch niemand angesprochen.