Chemikerin folgt Wirtschaftswissenschaftler - auf diesen einfachen Nenner lässt sich die Wahl der neuen Vizepräsidentin an der BTU Cottbus-Senftenberg bringen. Und dennoch war BTU-Präsident Prof. Jörg Steinbach mit der Neubesetzung ein Coup gelungen. Der Nachfolger für den zurückgetretenen Stefan Zundel war zuvor nicht publik geworden. Und so räumte Steinbach nach der Wahl seiner Kandidatin Ende Februar im Senat ein: "Die allgemeine Überraschung hinsichtlich meiner Auswahl habe ich als größtes Lob empfunden."

Mit der Chemikerin Katrin Salchert hat sich der Präsident eine Wissenschaftlerin an die Seite geholt, die - wie zuvor Zundel - "Träger des Gewissens der ehemaligen Hochschule Lausitz" sein soll. Dieser Verantwortung gegenüber den Kollegen in Senftenberg und Sachensdorf ist sich Katrin Salchert bewusst. Zwar fehle ihr noch Erfahrung in der Hochschulleitung. Aber als Wissenschaftlerin hat die 47-Jährige, die an der Uni Leipzig promovierte, bereits namhafte Stationen vorzuweisen.

Dem Institut für Biochemie an der TU Dresden folgten Forschungsprojekte am Max-Bergmann-Zentrum für Biomaterialien und am Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden. Als an der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg im Jahre 2006 der neue, in seiner fachlichen Breite deutschlandweit einzigartige Masterstudiengang Naturstoffchemie ausgeschrieben war, bewarb sie sich, um letztlich berufen zu werden. Sie beschäftigt sich mit Biopolymeren wie Proteinen und Polysacchariden, deren Anwendung in der Zellkultur und mit der Nutzung von Enzymen für stoffwandlerische Prozesse.

"Ich bin in die Chemie gegangen, weil mich die Synthese, speziell organischer Verbindungen, fasziniert", umreist Katrin Salchert ihren wissenschaftlichen Anspruch, mit dem sie sogleich zum in Senftenberg entstehenden Innovationszentrum unmittelbar an der Hochschule überleitet. Hier habe die Region und die neue BTU die Chance, mit innovativen Produkten aus Start up-Unternehmen die Attraktivität des Standortes zu steigern.

Damit dies gelingt und "damit die Potenziale der Standorte Senftenberg und Sachsendorf in die Prozesse der Neugestaltung der BTU eingebracht werden", hat der Präsident die Chemikerin mit in die Schaltzentrale der Uni geholt. Er betont zudem ihr Engagement im Technologietransfer und für die Wahrnehmung der Uni in der Öffentlichkeit.

Dass sich Katrin Salchert, die mit ihrer Familie (zwei Kinder, 17 und 19 Jahre) in Dresden lebt, auf die Leitungsfunktion eingelassen hat, hängt mit ihrer Überzeugung für die neuen Strukturen an der BTU Cottbus-Senftenberg zusammen. Das viel zitierte H-Modell, das den Wechsel vom universitären zum anwendungsbezogenen Studium an einer Uni ermöglicht, "weist für mich ebenso in die Hochschul-Zukunft wie unser College, das an der Uni auf das Studium vorbereitet - auch ohne Abitur", erklärt Salchert. Sie sagt aber auch, dass die deutschlandweit einmaligen Möglichkeiten "in Attaktivität für Studienrende umschlagen muss". Daran werde die neue BTU künftig gemessen werden.