Seehofer trommelte am Sonntag seine CSU-Führungsmannschaft zusammen, um die Konsequenzen aus Glos' Schritt zu beraten. Zu dem Zeitpunkt wird der CSU-Chef bereits gewusst haben, dass er mit Glos nicht weitermachen kann. Seehofer selbst hatte erst kürzlich in einem Interview gesagt, dass ein Politiker, der den Zeitpunkt seines Karriereendes bekannt gibt, von da an eine "Lame Duck" ist. "Lahme Ente" Mit "lahme Ente" wird in den USA der Politiker beschrieben, dessen Amtsende feststeht. Die logische Konsequenz daraus bedeutete, dass die CSU-Führung und Merkel das ursprünglich geplante Festhalten an Glos rasch wieder begruben. Glos nannte als Grund für seinen Rücktrittswunsch, dass er im Dezember 65 Jahre alt wird und deshalb nach dem 28. September keinem Kabinett mehr angehören will. Dies wäre als Begründung durchaus ehrenhaft. Aber hätte Glos nicht das Gespräch mit Seehofer suchen müssen, statt der "Bild am Sonntag" seinen Brief zu geben? Lang gehegter Groll Dann hätte sein Parteichef die Gelegenheit gehabt, souverän einen Nachfolger zu präsentieren - so sah Seehofer am Samstagnachmittag beim Verlassen der Münchner Sicherheitskonferenz wie der Gelackmeierte aus. Tatsächlich hegt Glos schon seit längerem Groll gegen Seehofer. Dieser hatte ihn im Dezember vor versammelter Mannschaft wegen seines zu passiven Auftretens in der Wirtschaftskrise angegriffen. Außerdem stellte Seehofer bereits dem CSU-Schatzmeister und Bau-Unternehmer Thomas Bauer das Ministerium von Glos für die Zeit nach der Bundestagswahl in Aussicht. Im CSU-Vorstand vermuten mehrere in dieser Demontage den Hauptgrund für das Rücktrittsangebot. Aber auch von Merkel ist der Unterfranke tief enttäuscht. Der von den Grünen als "Null-Bock-Minister" kritisierte Glos fühle sich von der CDU-Kanzlerin allein gelassen, sagt einer aus der CSU-Landesgruppe. Dies sei bei den Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise so gewesen, wo sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) profilieren konnte und Glos wie abgetaucht erschien. Bei seinen Vorstößen etwa zu Steuersenkungen habe sich Glos ebenfalls über mangelnde Unterstützung der Kanzlerin beklagt. "Er wollte jetzt selbst einen Schlussstrich ziehen, um wenigstens dies noch souverän machen zu können", beschreibt einer aus Glos' Umfeld das Vorgehen. Während Glos am Samstagabend trotz des Rücktritts-Theaters entspannt auf dem Ball des Sports tanzte, begann für Merkel ein heißer Tanz mit der Opposition. Doch wie die Nachfolge für Glos aussehen kann, blieb am Sonntag trotz erster Kandidaten noch offen.