Alexander Miesera und die anderen Cottbuser Organisatoren der vom Landtag abgelehnten Volksinitiative "Hochschulen erhalten!" stehen in den Startlöchern. "Wir warten nur auf die amtliche Bekanntmachung aus Potsdam, dann werden wir ein Volksbegehren beim Landtagspräsidenten beantragen" sagt Alexander Miesera gegenüber der RUNDSCHAU.

Mit 80 000 Unterschriften soll dabei erreicht werden, dass es nicht zur Fusion von Hochschule Lausitz (HL) Senftenberg und BTU Cottbus kommt. Das heißt konkret: Der Landtag soll gezwungen werden, sich noch einmal mit dem Gesetz zur Neugründung einer BTU Cottbus-Senftenberg zu befassen. Lehnt er wieder ab, käme es zum Volksentscheid im ganzen Land. Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) haben 100 Fusionsgegner am Dienstagabend bei der Eröffung der umgebauten Bahnhofstraße in Cottbus zu verstehen gegeben, dass sie weiter gegen das Gesetz zur Neugründung einer Lausitz-Uni demonstrieren werden.

Das parlamentarische Verfahren bis zum anvisierten endgültigen Beschluss zum Gesetz zur Neustrukturierung der Hochschulregion Lausitz im Januar geht unterdessen weiter. Ein Volksbegehren hätte im Übrigen keine aufschiebende Wirkung. So kommt es heute im Wissenschafts-Ausschuss des Landtages zu einer hochkarätigen Experten-Anhörung, die durchaus noch zu Korrekturen am Gesetzestext führen könnte. "Wir wollen wissen, wie Experten die Chancen und Risiken dieser Fusion einschätzen", erklärt Jens Lipsdorf (FDP), Ausschusschef aus Cottbus.

Neben den beiden Hochschul-Präsidenten, Prof. Walther Ch. Zimmerli (BTU) und Günter H. Schulz (HL), ist mit Prof. Peer Pasternack einer der renommiertesten Hochschulstruktur-Forscher Deutschlands geladen. Er hatte sich in einem RUNDSCHAU-Interview dagegen gewehrt, dass das Modell der Gesamthochschulen in Deutschland gescheitert sei. Der Direktor des Institutes für Hochschulforschung Wittenberg (Sachsen-Anhalt) dürfte zudem darüber Auskunft geben, welche Voraussetzungen für ein Gelingen der Hochschul-Fusion in der Lausitz notwendig sind.

Darauf dürfte auch Prof. Sascha Spoun hinweisen, indem er von Erfahrungen einer als gelungen geltenden Hochschul-Fusion berichtet. Spoun ist Präsident der Leuphana-Universität Lüneburg, wo 2007 Hoch- und Fachhochschule zusammengingen und sich in den Folgejahren eine leistungsfähige Universität entwickelt hat. Die niedersächsische Uni sieht ihr neues Universitätsmodell inzwischen als Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.

An den Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Matthias Kleiner, richtet sich vornehmlich der Fragenkomplex, warum eine Aufnahme der neuen Lausitz-Universität in die DFG wichtig ist. Kleiner soll auch abwägen, wie die Chancen der neuen BTU Cottbus-Senftenberg im Vergleich zu den bestehenden Strukturen stehen.

Der Ausschussvorsitzende Jens Lipsdorf erhofft sich von den Experten zudem Aussagen darüber, ob der Zeitplan für die Errichtung der neuen Uni als realistisch eingeschätzt wird. Und: Ob der Gesetzentwurf die Wahrung der Hochschulautonomie gewährleistet.

"Noch befinden wir uns in einem Prozess", verweist Lipsdorf darauf, dass die Erkenntnisse der Anhörung durchaus zu Veränderungen am Gesetzentwurf führen können.