Sechs Wochen lang haben sich die Brandenburger Christdemokraten Zeit gelassen, um nach der gescheiterten Regierungsbildung mit der SPD ihre Wunden zu lecken. Am Mittwoch will der Landesvorstand darüber beraten, wie die CDU als stärkste Oppositionspartei der erneut rot-roten Regierung Paroli bieten kann - direkt nach der Landtagssitzung, in der SPD-Chef Dietmar Woidke voraussichtlich erneut zum Regierungschef gekürt wird.

Auch wenn es im CDU-Vorstand noch niemand öffentlich aussprechen möchte, geht es vor allem um die Frage, ob Partei- und Fraktionschef Michael Schierack noch die geeignete Galionsfigur ist. Denn dem 47-Jährigen wird das Scheitern der Regierungsbeteiligung persönlich angelastet.

„Wenn Sie die Brandenburger Wähler fragen, wer für das Scheitern von Rot-Schwarz verantwortlich ist, dann sagen sicherlich 70 bis 80 Prozent: Michael Schierack mit seiner Weigerung, ins Kabinett zu gehen“, lautet die düstere Vermutung in Vorstandskreisen. So hatte Woidke hauptsächlich seine Abfuhr für die CDU begründet. Davor schien in den Sondierungsgesprächen eine rot-schwarze Regierung zum Greifen nah. Schierack hat Woidkes Darstellung wenig überzeugend dementiert und dem SPD-Mann Vertrauensbruch vorgeworfen.

„Man muss feststellen, dass Woidke mit seiner Absicht, die CDU zu diskreditieren, erfolgreich war“, bilanziert der CDU-Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann nüchtern, der als Beisitzer im Vorstand sitzt. „Nun geht es darum, dass wir als Partei geschlossen auftreten und eine starke Oppositionsarbeit betreiben.“ Dafür muss sich Schierack erklären, wie er aus der Defensive kommen und als Oppositionsführer überzeugen will.

Eine Möglichkeit wäre, dass er seine Arztpraxis aufgibt und sich als Vollblut-Politiker auf den Job konzentriert, ist zu hören. Andere sagen, dafür sei es inzwischen zu spät. Inzwischen wird häufig der Abgeordnete Ingo Senftleben als Alternative genannt, der schon lange als Strippenzieher in der Fraktion gilt.

Schierack hat sich im Herbsturlaub Zeit genommen, um seine Position zu überdenken. Zuvor war er durch die Kreisverbände gereist, um den Unmut der Basis über die vertane Chance auf die Machtbeteiligung zu dämpfen. „Wir müssen so stark werden, dass Rot-Rot 2019 nicht möglich sein wird“, sagte er anschließend. Das klingt wie das berühmte Pfeifen im Walde. Schieracks Schlussfolgerung aus der Entwicklung der vergangenen Wochen lautet, dass nun der „Kuschelkurs“ gegenüber der SPD beendet werden müsse.

Von Woidke erntet der CDU-Spitzenmann dafür bislang nur Spott: „Mit der Brandenburger CDU in ihrem gegenwärtigen Zustand wären die nächsten Jahre mit ziemlicher Sicherheit ein waghalsiger Ritt über den Bodensee geworden“, sagte der SPD-Chef am vergangenen Samstag auf dem Sonderparteitag in Wildau (Dahme-Spreewald). Dort besiegelten den Sozialdemokraten den Koalitionsvertrag mit der Linken. Woidke nutzt die Verunsicherung der Christdemokraten weidlich aus - jetzt ist es an deren Führung, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.