Kommunalpolitikern in der Lausitz fallen auf Anhieb Beispiele ein, wo eine bessere Zusammenarbeit mit dem Nachbarland so manche Wegstrecke abgekürzt hätte. Als es im Jahre 2000 um eine gemeinsame IBA in der Lausitz ging, wollte Sachsen sein eigenes Seenland entwickeln. Erst seit diesem Jahr gibt es einen gemeinsamen Zweckverband. Und: Über den Autobahnzubringer von Hoyerswerda zur A 13 streiten beide Länder seit fast zwei Jahrzehnten. Bis heute aber ist von der B 96n nichts zu sehen. "Dennoch: Wir sind nur stark, wenn wir mit einer Stimme sprechen", betonte Ingo Senftleben, der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion in Potsdam während der Lausitzkonferenz 2012 der CDU Brandenburg und Sachsens am Freitag in Cottbus.

Senftleben weiß, wovon er spricht. Als Bürgermeister von Ortrand, direkt an der Landesgrenze zum Freistaat muss er die fortwährenden Scharmützel der Landesbürokratien ertragen - auch wenn es nur um 20 sächsische Kinder geht, die in Ortrand die Kita besuchen.

Konkrete Projekte - von IBA über Infrastruktur bis Kita oder wirtschaftliche Ansiedlungskooperation - will Senftlebens Fraktionskollege Dierk Homeyer künftig in einem sächsisch-brandenburgischen "Lausitz-Forum" beraten. "Es geht auch um neue Ideen und Vorschläge, die für die Landespolitik aufbereitet werden könnten", erläutert der Wirtschaftsexperte Homeyer. Am 22. Mai können beiden CDU-Fraktionen dieser Ankündigung bei ihrer Beratung in Schwarze Pumpe bereits Taten folgen lassen.

Worüber sich alle Beteiligten der Cottbuser Lausitzkonferenz einig waren: Der Strukturwandel in der Lausitz ist nur mit der Braunkohle möglich. Der Landrat von Oberspreewald-Lausitz, Siegurd Heinze (parteilos), zeigte sich überzeugt, dass dieser Energieträger noch an Bedeutung gewinnen werde. Für den Cottbuser IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger hängt diese Aussage eng damit zusammen, dass "die Lausitz als Energieregion für Brandenburg unverzichtbar ist".

Krüger lenkte das Augenmerk zugleich darauf, dass die Lausitz gerade wegen Zukunftsrisiken wie der Abwanderung mehr für das Standortmarketing tun müsse. "Wir haben eine exzellente Kita-Betreuung, mit der es sich zu werben lohnt", führte er ein Beispiel an, um sogleich auf künftige Stellschrauben - von Wertschöpfungsketten über Netzwerke bis zu mehr Ausgründungen aus Hochschulen - zu drängen.

Der Hauptgeschäftsführer der HwK Dresden, Andreas Brzezinski, mahnte zum Denken in größeren Räumen. Unbestritten sei, dass die Lausitz an einem Strang ziehen müsse. Um aber von den großen Töpfen der EU-Strukturfonds zu profitieren, "müssen strategische Allianzen mit den Oberzentren geschmiedet werden". Ein Ansatz auch für ein neu zu bildendes "Lausitz-Forum".