Wanka hatte auf Druck des Lagers um Partei-Vize Sven Petke und Generalsekretär Dieter Dombrowski, durch das die CDU-Chefin anders als ihr Vorgänger Ulrich Junghanns selbst eine stabile Mehrheit hat, Lunacek lediglich den demütigenden Platz 24 angeboten. Der 44jährige schlug aus und verzichtete am Wochenende auf eine Kampfkandidatur, aus Rücksicht auf den "Harmonie-Parteitag" auch auf einen sofortigen Rücktritt. Allerdings gab es bis zuletzt Versuche, Lunacek von seinem konsequenten Schritt abzuhalten, um neue Querelen-Schlagzeilen zu vermeiden. Wer für die restlichen Monate sein Nachfolger werden soll, ist offen. Sollte es im Herbst wieder eine SPD/CDU-Koalition geben, gilt Petke selbst als Favorit für den Fraktionsvorsitz - zumal ihn SPD-Regierungschef Matthias Platzeck nicht ins Kabinett berufen würde. Zudem wird wohl der jetzige SPD-Finanzminister Rainer Speer das Ressort von Jörg Schönbohm übernehmen, der in den Ruhestand geht. Nach der Aufstellung der Landesliste, Spiegelbild der Machtverhältnisse, wird auch sonst klarer, wen die Union außer Wissenschaftsministerin Johanna Wanka ins Kabinett schicken will: Die besten Chancen hat Generalsekretär Dieter Dombrowski (Listenplatz 2), der Agrar- und Umweltminister werden könnte, zumal SPD-Amtsinhaber Dietmar Woidke auch zum Leidwesen von Genossen sein Amt nicht im Griff hat. Aussichtsreichster Anwärter für das Wirtschaftsressort ist der neue Schatzmeister und bisherige Europaabgeordnete Christian Ehler (Platz 4), gegen den es in der Platzeck-SPD allerdings Vorbehalte gibt. Einen fachlichen Grund, im Krisenjahr 2009 Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns auszutauschen, gibt es zudem nicht. Junghanns, der sich am Listen-Postenschachter nicht beteiligte, hat zwar wenig Rückhalt in der CDU, aber um so mehr bei Wirtschaftsverbänden, Kammern und Unternehmen. Neue Finanzministerin könnte Vize-Parteichefin Saskia Funck werden. Fest steht, dass Justizministerin Beate Blechinger, die zuletzt die Gerichtsreform abblasen musste, dem neuen Kabinett nicht angehören wird. Nachfolgerin könnte Ex-Justizministerin und Vizeparteichefin Barbara Richstein werden. Allerdings gab es 2004 in der Justiz massive Widerstände gegen Richstein, weshalb der damalige CDU-Chef Jörg Schönbohm das Ressort damals mit Blechinger besetzte. In Brandenburgs Politik sind Personalfragen oft wichtiger als politische Differenzen. Von Platzeck ist bekannt, dass er auch vom "menschlichen Faktor", einer "verlässlichen" Mannschaft im Kabinett, abhängig machen wird, ob es überhaupt wieder Rot-Schwarz gibt - oder eben doch Rot-Rot wie in Berlin.