Blechinger kündigte eine härtere Gangart an. Unabgestimmte Meinungsäußerungen müssten ausgeschlossen werden. Zu allen bundespolitischen Themen werde künftig Innenminister Jörg Schönbohm als CDU-Landesvorsitzender Stellung nehmen, betonte sie. Bei Äußerungen zu überregionalen Ereignissen müssten sich die fachpolitischen Fraktionssprecher zuvor auch mit ihr abstimmen. Zugleich wies sie jüngste Angriffe der SPD zurück. Die Union stehe weiter zur großen Koalition, jedoch nicht um jeden Preis. Das Regierungsbündnis sei bisher erfolgreich gewesen und dürfe nicht ohne Not aufs Spiel gesetzt werden. Voraussetzung für seine Fortsetzung sei ein gleichberechtigtes Miteinander beider Parteien.
Jörg Schönbohm, der mit seiner Unterschrift unter den Brief von CDU-Abgeordneten an US-Präsident Bush (die RUNDSCHAU berichtete) die Koalitionskrise in der Vorwoche mit ausgelöst hatte, zeigte sich gestern gut aufgelegt. Heute wird der für seine markigen Sprüche und emotionalen Ausbrüche bekannte CDU-Landeschef auf dem vierten politischen Aschermittwoch der märkischen Union in Bernau eine mit Spannung erwartete Rede halten. Schönbohm hatte diese Tradition der bayerischen Schwesterpartei CSU abgeguckt - um mal nach Herzenslust auf SPD, Rot-Grün und PDS eindreschen zu können. Diesmal sollte es zunächst, der Entwurf war schon geschrieben, eine knallharte Abrechnung mit der verhassten rot-grünen Bundesregierung werden.
Doch kam ihm jetzt die Koalitionskrise dazwischen. Die SPD verlangte von dem aufmüpfigen Ex-General Mäßigung, drohte mit Rot-Rot. Schönbohm schluckte das, gestand einen Fehler ein. Doch die Folgen haben es in sich. Eine Krise in der eigenen Partei, wo alte Grabenkämpfe neu ausbrechen, wo sich Hardliner und Pragmatiker darüber streiten, was man sich von der SPD bieten lassen darf und was nicht. Gestern stellte Schönbohm schon mal klar, dass es keinen Maulkorb für Christdemokraten geben werde. "Wir sind keine Kaderpartei."
Dennoch schrieb er letzten Sonntag einen neuen Rede-Entwurf: "Ich habe mich in den Wintergarten gesetzt und auf die Eiche geblickt." Der uralte Baum im Kleinmachnower Garten hat den Stürmen der Zeit standgehalten - ganz so, wie Schönbohm den politischen Stürmen trotzen will. Seine Rede werde wie eine Komposition sein, mit einem pfiffigem Einstieg, einem Adagio und einem Allegro, verriet der Opernliebhaber. Im Vordergrund soll die Landespolitik stehen. Dies aber, so CDU-Generalsekretär Lunacek, "mit dem nötigen Respekt vor dem Koalitionspartner". (Eig. Ber./ma/dpa)