Zustimmung kam von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Endlich wird die Diskussion um mehr Lehrerstellen nicht mehr hinter verschlossenen Türen geführt“, sagte die Landesvorsitzende Sabine Gerold. Die Linken im Landtag schlugen eine fraktionsübergreifende parlamentarische Initiative gegen Lehrermangel vor.

„Ich sehen einen Finanzminister, der sich keinen Millimeter bewegt, einen Kultusminister, der sich nicht durchsetzt, und eine Staatskanzlei, die zuschaut“, monierte Colditz. Die Regierung spiele auf Zeit. Auch die Spitze seiner Fraktion wünsche er sich aktiver.

Es schmerze ihn sehr, aber er habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen als in die Öffentlichkeit zu gehen. Sachsen braucht in den nächsten Jahren viele neue Lehrer. Einer Analyse des Kultusministeriums zufolgen werden bis 2020 etwa 10 700 Pädagogen aus dem Dienst scheiden, die meisten ab 2015. Damit droht Grund- und Mittelschulen ein Aderlass.

Bis 2030 geht die Prognose gar davon aus, dass dann 21 000 der jetzt noch 29 000 tätigen Lehrer nicht mehr vor den Schülern stehen werden. Denn das Durchschnittsalter liegt jetzt schon bei 50 Jahren. Auf der anderen Seite will das Land bis 2020 jede fünfte Stelle im öffentlichen Dienst einsparen und das Personal von aktuell 87 000 auf 70 000 Stellen schrumpfen. Ginge es nach Finanzminister Georg Unland (CDU), müsste auch an den Schulen Personal eingespart werden – er will die Zahl der Lehrerstellen bis 2020 auf 23 000 eindampfen. Kultusminister Ronald Wöller (CDU) hingegen will die aktuell 28 341 Stellen erhalten, die sich 33 497 Pädagogen teilen.

Colditz zufolge sollte Ministerpräsident Stanislaw Tillich ein Sechs-Augen-Gespräch mit seinen CDU- und Ministerkollegen Georg Unland (Finanzen) und Roland Wöller (Kultus) führen, „sie arbeiten lassen und nach vier Wochen das Thema mit einer Regierungserklärung abschließen“. Er erlebe derzeit jedoch, dass das Thema ausgesessen werde.

Die Kritik von Colditz sei sehr mutig, sagte Gerold. „Ich bin beeindruckt.“ Die Koalitionsfraktionen von CDU und FDP seien offensichtlich weiter als die Regierung. „Das stimmt mich optimistisch“, sagte die Gewerkschaftschefin. „Um aus der Misere des Lehrermangels in Sachsen herauszukommen, bedarf es einer Bündelung aller demokratischen politischen Kräfte, der Gewerkschaften und der engagierten Fachleute“, sagte die Schulexpertin der Linken, Cornelia Falken. Sie schlug ein fraktionsübergreifendes Bündnis im Schulwesen vor. Die Bildungsexpertin der SPD-Fraktion, Eva-Maria Stange, mahnte in einer Mitteilung an, den schon beschlossenen Stellenabbauplan zu stoppen.