Was die Geschichte, wenn sie sich so zugetragen hat, brisant macht: Senftleben gilt im Machtkampf um die künftige Führung der CDU als Unterstützer von Ex-Generalsekretär Sven Petke, der sich um den Parteivorsitz bewirbt. Sein Gegenkandidat ist Ulrich Junghanns, dem ein Untersuchungsausschuss schwächen würde.
Auf Anfrage bestätigte Hammer, dass Senftleben ihn am Rande der Landtagssitzung wegen eines Unterschungsausschusses zum Fördermittelstau im Wirtschaftsministerium angesprochen habe. Wörtlich sagte Hammer der RUNDSCHAU: "Das passt ins Bild der CDU." Es soll, behaupten andere PDS-Politiker, nicht der einzige Versuch dieser Art gewesen sein. Auch beim PDS-Wirtschaftsexperten Ralf Christoffers sollen Mitarbeiter der CDU-Fraktion wegen eines Untersuchungsausschusses vorgefühlt haben. Christoffers will sich dazu nicht äußern - offenbar aus Sorge, in die innerparteilichen Auseinandersetzungen der CDU hineingezogen zu werden. "Kein Kommentar." Die PDS werde jedenfalls keinen Untersuchungsausschuss beantragen.
Senftleben selbst bestreitet, sich bei der PDS für einen Untersuchungsausschuss wegen des unzureichenden Fördermittelabflusses im Wirtschaftsministerium eingesetzt zu haben. "Ich habe nie versucht, einen Untersuchungsausschuss anzuregen", sagte er der RUNDSCHAU. Allerdings bestätigt er, mit Hammer gesprochen zu haben. Den Inhalt des Gesprächs beschreibt Senftleben nur vage: "Ich habe ihn gefragt, ob er eine neue Aufgabe für sich wünscht. Es war alles Spaß und scherzhaft gemeint." Er werde sich notfalls rechtlich gegen falsche Behauptungen wehren. Senftleben fügte hinzu: "In der PDS sitzen Leute, die schon zu der Zeit, als ich noch Schüler war, Übung darin hatten, Leute zu kompromittieren." Dieses System sei anscheinend immer noch ausgeprägt. Darauf angesprochen, zeigte sich Hammer enttäuscht: "Das ist eine wunderbare Rückzugs position. Senftleben muss sehen, wie er damit persönlich klarkommt." Das Gespräch sei ernsthaft gewesen: "Wir wollten bei einer Tasse Kaffee noch einmal darüber reden, dazu ist es dann nicht mehr gekommen." Wirtschaftsminister Junghanns wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern, dementierte jedoch nicht, von Hammer den Hinweis bekommen zu haben.
Im Machtkampf ist das Pendel inzwischen eher zu seinen Gunsten ausgeschlagen. Zumindest kann sich Junghanns auf die jüngste Meinungsumfrage stützen, nach der 52 Prozent der CDU-Wähler und 41 Prozent aller Brandenburger ihn als Schönbohm-Nachfolger vorziehen. Für Petke sind nur 19 Prozent der CDU-Wähler und zehn Prozent der Brandenburger. Petke sagte, mit dieser "Momentaufnahme" sei nach den Auseinandersetzungen der letzten Wochen zu rechnen gewesen. Aber auch bei der Bewertung der Arbeit der Politiker schnitt Petke mit der Note 4,0 am schlechtesten ab, Junghanns bekam eine 2,9.