Es müssen konkrete Eingriffstatbestände her", sagte der CDU-Abgeordnete Henryk Wichmann. Auch einen Kinderbeauftragten im Land und eine einheitliche Hotline für Notfälle müsse es geben - "wie 110 bei der Polizei". Vorhandene Initiativen müssten gebündelt werden. Als Anlass für den Vorstoß nannte Wichmann eine wachsende Fallzahlen von Kindeswohlgefährdung.Bereits im Dezember waren FDP und CDU im Landtag mit einer Initiative für einen Kinderausschuss an der rot-roten Regierungsmehrheit gescheitert. Zwar haben auch SPD und Linke im Koalitionsvertrag für die laufende Legislaturperiode ein Kinderschutzgesetz vereinbart. Doch das Bildungsministerium will vorerst nur die vorhandenen Instrumente überprüfen. "Sollte sich dabei herausstellen, dass nur ein Kinderschutzbeauftragter die Lösung aller übrig gebliebenen Probleme sein kann, wird es ihn auch geben - aber nur dann", sagte die SPD-Abgeordente Sylvia Lehmann. Ein Kinderausschuss war von Rot-Rot mit Hinweis den bestehenden Landesjugendhilfeausschuss abgelehnt worden.Wichmann, zugleich Kinderbeauftragter der CDU-Fraktion, will nun im Mai einen Antrag vorlegen, wonach in Brandenburg eine Kinder-Kommission eingerichtet werden soll. Im Bundestag gibt seit 1988 ein solches Gremium. In einem Schreiben von Ende März an Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) forderte der Vorsitzende der Bundestags-Kommission, Eckhard Pols, dazu auf, Initiativen für einen Ansprechpartner auf Landesebene zu unterstützen. In Bayern hat der Landtag bereits Ende November eine solche Kommission gebildet.Auslöser für die Initiative Wichmanns war der im Sommer 2009 bekannt gewordene Fall Jennifer. Das 14-jährige behinderte Mädchen war von seinen Eltern in der Gemeinde Lübbenow (Uckermark) jahrelang versteckt gehalten worden und besuchte auch keine Schule, war nie beim Arzt. Im Juli ist Jennifer aus der Familie geholt worden, sie trug Windeln und zeigte autitstische Züge. Die Familie, zu der zwei weitere Kinder gehören, wird weiter von den Behörden betreut. Wichmann (34) hat als Vorsitzender der Jugendhilfeausschusses in der Uckermark massive Mängel und Fehler im Fall Jennifer beim zuständigen Jugendamt aufgedeckt. "Die Fallzahlen explodieren, in der Uckermark gibt es sogar eine Verdopplung bei Kindeswohlgefährdung auf 300 Fälle 2009. Da können wir nicht bis zum nächstem Jahr warten."