Herr Schierack, was bedeutet die neuerliche Verschiebung der Flughafen-Eröffnung für Brandenburg?
Tiefer können wir mit dem BER-Missmanagement von Rot-Rot nicht mehr sinken. Die erneute Verschiebung lässt leider ein sehr schlechtes Image von der Region Berlin-Brandenburg ausgehen. Das Konzept für den Brandschutz ist indiskutabel, der ganze Vorgang ein Stück aus dem Tollhaus. Und es wird vermutlich noch sehr viel teurer, als wir überhaupt nur ahnen.

Rechnen Sie mit einem Nachtragshaushalt?
Das kann ich mir gut vorstellen. Ich gehe davon aus, dass das, was der Landtag im vergangenen Jahr beschlossen hat, Makulatur ist, und noch in diesem Jahr ein Nachtragshaushalt her muss.

Welche Gestaltungsmöglichkeiten hat denn die Brandenburger Politik in den nächsten Jahren überhaupt noch?
In den vergangenen zwei Jahren hatten wir sehr gute Steuereinnahmen. Die hätten wir in die Bildung, in Schulen und Hochschulen investieren können oder, wie in Sachsen, unsere Schulden zurückzahlen können. Stattdessen hat die rot-rote Landesregierung dieses Geld im BER versenkt. Nun müssen wir damit rechnen, dass ein Schuldenabbau oder ein ausgeglichener Haushalt in Brandenburg mittelfristig nicht mehr möglich sein werden - durch die neuen Verzögerungen werden weitere Kosten entstehen. Das wird dazu führen, dass der Flughafen auch auf lange Sicht nicht wirtschaftlich sein wird. Zumal er 2014 oder 2015 bei einem gleichbleibenden Passagierwachstum seine Kapazitätsgrenze erreicht hätte - wir könnten also gleich weiterbauen.

Ist Matthias Platzeck als Ministerpräsident noch tragbar?
Die Landesregierung unter Matthias Platzeck ist nicht in der Lage, auch nur irgendein Großprojekt in Brandenburg zu stemmen. Brandenburg kommt mit dieser Rochade vom Regen in die Traufe. Es ist komplett unverständlich, wie Platzeck als Mitverantwortlicher für das BER-Desaster nun den Aufsichtsrat führen soll. Wir haben kein Vertrauen mehr in ihn.